Zerbrechliche Gefühle – Das Drama "Wo ist die Liebe hin?"

Hamburg (dpa) – „Manchmal hat es ja schon genervt, diese Harmonie“, sagt Conny ihrer Freundin Agnes, als sie gerade die Hemden ihres kürzlich verstorbenen Mannes Bernhard zusammenpackt. Und man weiß als Zuschauer genau, was Conny meint.

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Eine Stunde und 15 Minuten zuvor, waren Agnes und ihr Mann Gregor in dem Film „Wo ist die Liebe hin?“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, Das Erste) noch das glückliche Paar, das vor Herzlichkeit und Sanftmut beim Zuschauer Augenrollen auslösen konnte. Aber jetzt stehen die beiden vor den Trümmern ihrer Liebe.

Gregor will ausziehen und auch die gemeinsame 15-jährige Tochter Helena hat keine Lust mehr, bei Mama zu wohnen, die sich scheinbar so gar nicht mehr für die Familie interessiert und stattdessen all ihre Energie in ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei den Tafeln steckt.

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Für beide ist es die zweite Liebe. Der Grafiker Gregor Flemming (Roeland Wiesnekker), der einen erwachsenen Sohn mit in die Verbindung bringt, hat seine erste Frau an den Krebs verloren. Und Agnes (Ulrike C. Tscharre), die ebenfalls zwei Kinder hat, die bereits aus dem Haus sind, hat eine gescheiterte erste Ehe hinter sich. Die zwei haben also beide ihre Erfahrung mit dem Thema Verlust gemacht. Sie leben ihre Beziehung bis dato ohne Konflikte und Krisen und es ist vor allem Agnes, die sich um die Familie kümmert und um die gemeinsame 15-jährige Tochter Helena (Emilie Neumeister).

Das ändert sich jedoch, als Agnes auf die patente Übersetzerin Heike (Anneke Kim Sarnau) trifft, die sich für die Tafeln engagiert und sie mit ihrer toughen und mitfühlenden Art sehr beeindruckt. Agnes beginnt mit viel Tatkraft ebenfalls für die Organisation zu arbeiten – gerührt von den Menschen und deren Schicksalen, die ihr begegnen. Das geht jedoch zu Lasten der Familie. „Mama redet von nix anderem mehr. Für mich hat sie keine Zeit“, beklagt Nesthäkchen Helena.

Und auch Gregor beschwert sich vor versammelter Patchwork-Familie, die sich bei gekaufter Antipasti statt von Agnes selbstgemachter Lasagne einfindet, über die Situation: „Ausgemacht war ein Nachmittag in der Woche – mittlerweile wohnt sie da.“ Kaum sind die beiden Ehepartner unter sich, eskaliert die Situation, der Ton ist scharf und man wirft sich allerlei verbale Bösartigkeiten um die Ohren.

Huch, was ist denn da so plötzlich passiert? – denkt man als Zuschauer. Man weiß gar nicht so recht, auf wessen Seite man sich schlagen soll. Was diese beziehungsbedrohende Erschütterung ausmacht, das ist letztlich nicht das soziales Engagement von Agnes für andere, sondern unverarbeitete Traumata, die beide Partner aus ihren vorherigen Beziehungen mitbringen und die jetzt sichtbar werden.

Das Paar ist nicht geübt darin, Konflikte auszutragen, sie haben keine Sprache dafür. Und vor allem Gregor ist zutiefst verunsichert und weiß überhaupt nicht mehr, wie er der müden Agnes begegnen soll, die sehr an ihrer neuen Aufgabe hängt. „Nimm mir das nicht weg“, ruft sie bei einem Streit hilflos in Gregors Richtung. Und man muss kein Paartherapeut sein, um zu wissen, dass es nicht gut um die Partnerschaft bestellt ist, wenn solche Worte fallen.

Liebe ist kein Selbstläufer, sondern eine fragile Angelegenheit, die auf wackligen Beinen steht. Und für die man immer neu verhandeln muss, wenn man sie nicht verlieren will und dabei Veränderungen zulassen – auch wenn sie schmerzen, wie Gregors toter Freund Bernhard (Rainer Bock) diesem in einem Abschiedsbrief ans Herz legt.

Ganz schön viel, was der Film transportieren will. Den Zuschauer erschlägt es fast. Aber das verzeiht man dank dem hervorragenden Schauspieler-Ensemble, das hier beide Extreme vorführt und dem man dabei gerne zusieht. Allen voran Ulrike C. Tscharre und Roeland Wiesnekker, die als Agnes und Gregor nach einer Stunde und 28 Minuten ratlos nebeneinander stehen. „Ist denn noch genug da? Zwischen uns beiden, mein ich?“ fragt Gregor. „Ich weiß nicht, ob wir das schaffen“, sagt Agnes. Und wirkt dabei müder und kampfloser denn je.

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