Stress im Rotlichtviertel

Berlin (dpa) – Volle Straßen, grölende Party-Touristen: In Amsterdams Rotlichtviertel De Wallen tummeln sich allabendlich Besucher aus aller Welt. Sie trinken Bier, flirten mit den Sexarbeiterinnen oder schlendern durch die engen Gassen der Grachtenstadt.

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Diese Bilder aus der Reportage “Stress im Rotlichtviertel”, die am Donnerstag (24. September) um 19.40 Uhr auf Arte zu sehen ist, stammen noch aus der Zeit vor Corona. Das Virus hat De Wallen verändert. Ende März wurden die roten Lichter für mehr als drei Monate gelöscht. Seit Juli brennen sie wieder, doch auf den Straßen gilt nur eine Laufrichtung. Sexarbeiterinnen und Touristen müssen mit Einschränkungen leben.

Vor der Pandemie gab es andere Probleme. Die Reportage erinnert daran, indem sie einen Anwohner und eine Sexarbeiterin begleitet, die eine jeweils andere Perspektive auf die Entwicklung im Rotlichtviertel haben. Der 60-jährige Bert Nap wohnt seit 40 Jahren in De Wallen. An dem Sexgewerbe störte er sich lange Zeit nicht, doch der mittlerweile überbordende Touristenansturm macht für ihn das Leben im Viertel immer unerträglicher.

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Ganz anders stellt sich die Situation für die Fensterprostituierte Lola dar. Feierwütige Partygäste sind die Grundlage ihres Gewerbes. Dass die Politik darüber nachdenkt, den Tourismus wieder in geordnete Bahnen zu lenken, bereitet ihr Sorgen. Die Überlegungen gehen sogar so weit, die Fensterprostitution aus der Altstadt zu verbannen.

Die Situation ist angespannt. Während Bert Nap überlegt umzuziehen, kämpft Lola zusammen mit ihrer Gewerkschaft für den Erhalt der Rotlichtschaufenster. Zwischen diesen beiden Fronten bewegt sich Bezirksbürgermeisterin Mascha ten Bruggencate, die versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln. Einfach ist dieses Unterfangen nicht.

Die Reportage beleuchtet den Konflikt von allen Seiten und bemüht sich um eine objektive Darstellung. Sie macht aber auch deutlich, dass sich das Touristen-Problem nur schwer lösen lässt – auch weil die Argumente der jeweiligen Interessengruppe nachvollziehbar sind.

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich die Situation zumindest für die Anwohner verbessert. Nach den Lockerungen der Maßnahmen kommen zwar wieder mehr Touristen nach De Wallen, doch bei zu vielen Menschen könnten Grachten und Straßen komplett gesperrt werden. Den Sexarbeiterinnen steht eine harte Zeit bevor.

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