Lohnt sich der Berliner "Tatort" heute Abend?

Im neuen Berliner „Tatort: Die Kalten und die Toten“ müssen Rubin und Karow den grausamen Mord an einer Studentin aufklären. Es ist der vorletzte Fall von Kommissarin Rubin. Lohnt sich das Einschalten?

Darum geht’s im neuen „Tatort“

Es ist Wochenende in Berlin. Viele Feierlustige ziehen durch die winterliche Stadt und sind auf der Suche nach einer unvergesslichen Nacht. Mithilfe einer Dating-App tritt eine junge Frau mit Dennis Ziegler (Vito Sack) und Julia Hoff (Milena Kaltenbach) in Kontakt. Am nächsten Morgen wird in der Nähe der Wohnung eine Leiche gefunden. Das Gesicht ist so entstellt, dass eine Identifizierung schwierig wird. Doch dank einer Vermisstenmeldung sowie einem DNA-Abgleich wird klar: Es handelt sich um die Medizinstudentin Sophia Bader (Laura Sophie Warachewicz). Als die beiden Kommissare Nina Rubin und Robert Karow die schlechte Nachricht ihren Eltern überbringen, verleugnen diese den Tod ihrer Tochter und bestreiten, dass sie Dating-Apps verwendet.

Dennis Ziegler (Vito Sack) gelingt es in seiner charmanten Art immer wieder die Zweifel seiner Mutter Doris (Jule Böwe) zu zerstreuen. (Quelle: rbb/ARD Degeto/Aki Pfeiffer)

Zur großen Überraschung von Rubin und Karow tauchen Dennis und Julia bei ihnen auf. Sie erklären, dass sie einvernehmlichen Sex mit der Toten hatten und Sophia anschließend die Wohnung verlassen habe. Doch Dennis scheint kein Unschuldslamm zu sein: In seiner prallgefüllten Polizeiakte sind Vorwürfe wegen Körperverletzung, Vergewaltigung sowie Brandstiftung zu lesen. Zu einer Verurteilung kam es allerdings nie. Schnell steht der Verdacht im Raum, dass seine Mutter, eine Streifenpolizistin, und sein Vater es immer wieder geschafft haben, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Auch in diesem Fall scheinen die Eltern ihre Finger im Spiel zu haben – die Ermittler kommen nicht weiter. Deshalb müssen sie zu drastischen Methoden greifen, um die Familie Ziegler zum Reden zu bringen.

Lohnt sich das Einschalten?

Absolut! Im neuen Berliner „Tatort“ wird das Psychogramm zweiter Familien nachgezeichnet. Alle vier Elternteile wirken wie nette Leute von nebenan. Doch schnell merkt der Zuschauer: Nichts ist wie es scheint. Der Fokus liegt auf den Problemen, Ängsten und Sorgen der einzelnen Protagonisten. Was fehlende Kommunikation, Kontrollverlust und Empathielosigkeit anrichten können, wird dabei eindrucksvoll gezeigt.

„Torsten [Bierkens], der Regisseur, und ich haben uns gefragt, welches Maß von Gefühllosigkeit und Egozentrik es braucht, um Tötungsdelikte zu begehen“, erklärt der Drehbuchautor Markus Busch (geb. 1965) im Gespräch mit dem Sender. Nicht nur den beiden Kommissaren Karow und Rubin steht mehrmals das Unverständnis ins Gesicht geschrieben. Auch als Zuschauer würde man am liebsten die Familien wachrütteln. Kein Charakter sticht in diesem Fall besonders hervor. Die Figuren fügen sich perfekt in die Geschichte ein und ergeben ein harmonisches Gesamtbild. Das spricht für ein großartiges Ensemble, welches auf ganzer Linie überzeugt.

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Tan Caglar: Am 14. November ist er zum ersten Mal im „Tatort“ zu sehen. (Quelle: rbb/ARD Degeto/Aki Pfeiffer)

Die beiden Kommissare Rubin und Karow geraten in „Die Kalten und die Toten“ an ihre Grenzen, was der Zuschauer auch spürt. Sie überschreiten Regeln und neue Seiten kommen zum Vorschein. Zum ersten Mal dabei: Assistent Malik Alsan. Er ist der Nachfolger von Anna Feil (Carolyn Genzkow) und unterstützt die beiden Ermittler tatkräftig. Gespielt wird der Polizist im Rollstuhl von Tan Caglar, welcher sich über sein neues Engagement sehr gefreut hat. Alle seien sehr nett zu ihm gewesen, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät. „Am Anfang ist es immer so, wie wenn man in eine neue Schulklasse kommt.“

Ein Wermutstropfen: Es ist bereits der vorletzte Krimi mit Meret Becker als Kommissarin Nina Rubin. Im Frühjahr 2022 wird ihr letzter Fall mit dem Arbeitstitel „Tatort: Das Mädchen, das allein nach Hause geht“ ausgestrahlt. Ersetzt wird sie dann von Schauspielerin Corinna Harfouch. Deshalb heißt es am Sonntagabend für alle Rubin-Fans: Genießen, bevor es vorbei ist.

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