Leiden in der BRD-Provinz: "Petting statt Pershing"

Berlin (dpa) – Filmemacherin Petra Lüschow nimmt uns in der Arte-Komödie “Petting statt Pershing” (Freitag, 20.15 Uhr) mit ins Jahr 1984.

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Ursula, die 17-jährige Heldin (Anna Florkowski, “Der Lehrer”) fremdelt mit dem öden Alltagsleben in der hessischen Provinz. Nur sehr zögerlich halten die Ideale und Konzepte der 68er-Bewegung auch hier im westdeutschen Hinterland Einzug.

Vor allem eine Person ist es, deren Erscheinen Ursulas Leben nachhaltig beeinflussen soll: Der charismatische Lehrer Siegfried Grimm (Florian Stetter), der sich für den Frieden einsetzt, Selbstbefreiungskurse organisiert und anscheinend das gesamte Umfeld Ursulas sexuell befreien möchte. Dass er dabei ausgerechnet Ursula selbst vernachlässigt, macht die 17-Jährige ziemlich wütend.

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Ursula ist Außenseiterin in ihrem kleinen verschlafenen Heimatort. Alle finden sie hässlich, oder wie die Kinder in der Schule sagen: Sie kommt noch nach Ausländern, Behinderten und Homos. Ursulas konservative Eltern hingegen halten sie für frühreif und denken, sie habe bereits Sex gehabt.

Als einziger Verbündeter bleibt ihr somit nur Opa Wilhelm, Stalingrad-Kämpfer und Kenner der Frauen. Inzwischen etwas tüttelig im Kopf, verwechselt der Großvater allerdings gerne die Vergangenheit mit der Gegenwart. Sein Rat an Ursula: sich wehren und einfach zurückschlagen. Damit eckt sie aber wieder an.

“Die Bundesrepublik der 80er Jahre war trotz der Alternativbewegung eine konservative Zeit, in der die 68er-Bewegung mit ihren Konzepten von Liebe und Selbstbefreiung langsam in die Provinz durchsickerte”, erklärte Autorin und Regisseurin Lüschow, Jahrgang 1966, zum Kinostart des Films 2019. “Petting statt Pershing” nimmt sich die 1980er noch einmal etwas genauer vor – ohne dabei den Humor zu vergessen. Denn, so Lüschow: “Menschliche Schwächen (..) erzählen sich besser mit Leichtigkeit, Humor macht das erträglicher”.

Die erfahrene Drehbuchautorin Lüschow inszenierte in “Petting statt Pershing” die Helmut-Kohl-Ära auf groteske Weise. Mit der Regie-Arbeit gewann sie auf dem Cleveland International Film Festival den Newcomer-Wettbewerb. Die vielbeschäftigte Schauspielerin Christina Große lieferte 2012 in dem Drama “Für Elise” eine beeindruckende Leistung als alkoholkranke Mutter ab, kürzlich erst war sie in dem Improvisationsfilm “Für immer Sommer 90” zu sehen.

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