Joko und Klaas senden eindringlichen Corona-Appell

Mit diesen 15 Minuten rechneten die wenigsten Zuschauer am Mittwochabend in der ProSieben-Primetime. Joko und Klaas haben ein bewegendes Corona-Spezial organisiert.

Sie sind für allerlei Quatsch bekannt und haben das erst vergangene Woche wieder unter Beweis gestellt. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf nutzten da ihre im Spiel gegen ProSieben gewonnenen 15 Sendeminuten, um sich von innen zu filmen – eine ulkige Nummer, die viele Zuschauer angeekelt zurückließ. 

Diese Woche war alles anders. Kurz nutzte das Moderatorenduo seine Bühne und erklärte: „Aktuell gibt es nur ein Thema“. Natürlich war damit die Corona-Pandemie und die dramatische Entwicklung der Infektionszahlen im Land gemeint. Wenn sie nun Unsinn machen würden, wäre das „grob fahrlässig“, erklärten Joko und Klaas also einhellig – und gaben dann den TV-Sendeplatz für drei andere Menschen frei.

  1. Luisa, 23 Jahre alt. Sie hatte sich 2020 mit Corona infiziert. 
  2. Daniel Zickler, Oberarzt in der Berliner Charité.
  3. Olaf Scholz, der künftige Bundeskanzler von Deutschland.

15 Minuten blieben diesen drei Personen, um ihre Erfahrungen und ihre Sicht auf die Corona-Lage zu schildern. Diese kurze TV-Etappe, lediglich auf einer einfachen Bühne mit einem schlichten Stuhl in der Mitte inszeniert, wurde zu einem bewegenden und aufrüttelnden Fernsehmoment.

„Mit 21 hat sich mein Leben drastisch verändert“, begann Luisa ihre Rede. Sie war als erstes an der Reihe und berichtete von ihrem schweren Krankheitsverlauf. Sie sei „sehr stark“ an Covid-19 erkrankt, so die junge Frau, die laut eigenen Angaben immer „viel Sport“ getrieben und sich stets „gut ernährt“ habe. Doch die Corona-Infektion warf sie „aus der Bahn“.

Mit 21 Jahren „38 Tage auf der Intensivstation“

Luisa musste Therapien machen, zwischenzeitlich saß sie im Rollstuhl, war später auf einen Rollator angewiesen und leide noch heute an „Vergesslichkeit“ und starken körperlichen Einschränkungen. „Ich kann nicht gut stehen“, sagte die heute 23-Jährige, die wegen Covid in ein künstliches Koma versetzt und beatmet werden musste. „38 Tage auf der Intensiv“, gab sie Einblicke in ihre Krankenhausakte und ergänzte: „Ich hatte keine Aussicht auf Erfolg“. Ihre Mutter habe schließlich eine Entscheidung fällen müssen. Ärzte setzen Luisa eine externe Lunge ein.

Sie überlebte nur knapp, verbrachte später Zeit in „drei Rehakliniken“ und habe dort „neu laufen gelernt“. „Das kann einen echt umhauen, auch in meinem Alter“, mahnte Luisa. Ihr Appell: Es solle keine Angst und kein Hass mehr herrschen in unserer Gesellschaft, sie wolle, dass „alle miteinander sprechen“ können und vor allem wünsche sie sich wieder „Hoffnung“ für Deutschland.

Oberarzt: „Nicht impfen lassen ist wie Russisch-Roulette“

Anschließend nahm Daniel Zickler auf der Bühne Platz. Der Oberarzt aus der Berliner Charité berichtete von überlasteten Intensivkapazitäten: 50 Prozent seien momentan „Covid-Patienten“. Es drohe ein „Kollaps“ des Gesundheitssystems. Er erinnerte noch einmal daran, dass es „keine Therapie gegen die Erkrankung“ gebe und dass die Ärzte nur die „Komplikationen und das Organversagen behandeln“ könnten.

Patienten bekämen „unglaubliche Mengen an Medikamenten“, nur um sie „am Leben zu erhalten“. Zickler ist sich sicher: „Danach ist das Leben nicht mehr so wie es vorher war“. Er habe eine Schwangere mit ihrem Baby sterben sehen, so der Mediziner. „Sich nicht impfen lassen ist wie Russisch-Roulette spielen“. Er forderte Kontakte zu beschränken, Fußballspiele ohne Zuschauer stattfinden zu lassen und Weihnachtsfeiern abzusagen.

Bald-Kanzler Olaf Scholz zu Gast

Schließlich war Olaf Scholz an der Reihe. „In Deutschland sind zu wenige Menschen geimpft“, setzte er sofort seinen Fokus auf die wichtige Immunisierung gegen Covid-19. In Portugal und Spanien seien derzeit sehr viel weniger Menschen an Corona erkrankt, weil es in diesen Ländern eine deutlich höhere Impfquote gebe. In Deutschland hingegen sei „das Leid riesig“.

Er bedankte sich bei seiner Vorrednerin und dem Arzt der Charité, erinnerte an Long-Covid-Patienten und die dramatische Lage in den deutschen Krankenhäusern. „Die Lösung liegt auf der Hand“, so Scholz, der erklärte: „Jeder kann und sollte sich impfen lassen.“ Nur so könne die „vierte Welle brechen“. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich „unterhaken“ und so gemeinsam „Corona besiegen“.

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Der künftige Bundeskanzler beendete seinen Appell mit dem Satz: „Schützt euer Leben und das der anderen“. Und damit endeten 15 denkwürdige Fernsehminuten.

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