Uschi Obermaier: "Es braucht keinen Mann für ein erfülltes Leben"

Die biltzend weißen Zähne, das mädchenhafte Lachen, die mit Schwung nach hinten geworfenen Haare: An Uschi Obermaier scheint die Zeit vorüberge­flogen zu sein. Kaum eine Falte – nur ein paar graue Strähnen, die sie auch so lassen will. Sie war das Sexsymbol der späten Sechziger­ und der Siebziger­jahre, Galionsfigur der Gegenkultur, Top­-Model, Stones­-Geliebte, später auch noch Schmuckdesignerin. Ihr herrliches Bayrisch hat sie trotz Jahrzehnten im Ausland nicht ver­loren.

Am 24. September wird Uschi Obermaier 75 – für sie ein Tag wie jeder andere, ausgefüllt mit der Renovierung ihres neuen Hauses in Portugal. "Mein Garten Eden", wie sie es nennt. Wenn sie es so farbenfroh, begeistert und satt beschreibt, sieht man es leibhaftig vor sich. "Mit Mandelbäumen, Feigen, Maulbeeren, duftenden Früchten und Olivenbäumen soweit das Auge reicht." Die wilde Uschi ist angekommen. "Das ist sicher mein letztes Domizil", sagt sie. "Das habe ich zwar auch schon von Topanga in Kalifornien gedacht, wo ich so lange gelebt habe. Aber irgendwie war es ausgeschöpft, es gab keine Inspiration mehr."

Im GALA-­Interview verrät sie, ob zum Neuanfang in Europa auch ein Mann gehört, wie sie auf ihr grelles Leben zurückblickt – und was an dem Gerücht dran ist, sie ziehe sich erneut für den "Playboy" aus.

Uschi Obermaier im GALA-Interview

GALA: 75 – was macht diese Zahl mit Ihnen?
Uschi Obermaier: Früher dachte ich immer: Gott, der oder die ist schon 75, ganz schön alt! Jetzt bin ich es selbst und fühle mich gar nicht so.

Warum haben Sie Los Angeles verlassen?
Diese ewige Brandgefahr, die Wald­brände, da sank mir die Angst oft in die Knie. Dieser Wahnsinnsverkehr, diese Hektik. Außerdem fühlte ich mich nicht mehr inspiriert. Durch den Verkauf meines Hauses dort konnte ich mir dann was Neues leisten.

Wie wichtig ist Ihnen Inspiration?
Die brauche ich wie die Blumen das Wasser. Inspiration ist so wichtig und schön wie Sex. Ich fand sie vor allem bei Musikern wie Jimi Hendrix, Keith Richards – meine größte Liebe – und Mick Jagger. Musiker sind die kreativsten Menschen überhaupt. Sich gegenseitig zu inspi­rieren ist doch das Schönste bei einer Beziehung.

Wie war das bei Ihrem Ehemann Dieter Bockhorn, dem wilden und unangepassten König von St. Pauli?
Es war eine Liebe wie eine Achterbahn­ fahrt, mit Streit, Sex und Versöhnung, aber immer auf einer Wellenlänge. Ich habe ihn bewundert. Er hat mich mit allem, was er tat, immer neu überrascht. Und er hat mich geliebt. Ich habe lange um ihn geweint.

“Ich mache keine Kompromisse mehr”

Gibt es derzeit einen Mann in Ihrem Leben?
Es braucht keinen Mann, um ein erfülltes Leben zu haben, außerdem hatte ich ja schon die Besten. Ich brauche keinen Sex mehr, habe in meinem Leben so viel geliebt, so viel Liebe gegeben und bekommen, das reicht. Mein Konto ist leer. Jetzt könnte ich mich nur noch wieder­holen. Und hier beim Umbau kann ich alles selbst stemmen, keiner redet mir rein. Ich habe wunderbare Helfer und mache keine Kompromisse mehr.

Welchen Mann hätten Sie früher gerne erobert?
Da fällt mir keiner ein. Die, die ich haben wollte, habe ich alle kennengelernt. 

Mit welchem Ihrer Liebhaber haben Sie noch Kontakt?
Mit Keith hatte ich noch lange Kontakt, und wir sind gute Freunde geblieben. Mit Rainer Langhans stehe ich ab und zu noch in Verbindung.

Sie haben mal gesagt, Sie hätten sich nie verkauft.
Hab ich auch nicht. Ich habe nie etwas getan, was ich nicht wollte. Insofern war ich immer sehr gradlinig.

Haben Sie nie Angst gehabt bei all den wilden Reisen und Drogenexzessen?
Ich war blutjung und wollte alles ausprobieren. Hat ja auch viel Spaß gemacht.

Die schweren Zeiten haben sie stark gemacht

Haben Sie sich nicht mal gefragt: Was wäre gewesen, wenn Sie als Model in New York geblieben und nicht aus Heimweh zurück nach München gegangen wären? Oder wenn Sie bei Keith Richards geblieben wären? Oder wenn Sie als Schauspielerin den Zehn- Jahres-Vertrag des italienischen Produzenten Carlo Ponti angenommen hätten?
"Was wäre" – das sind keine Gedanken, sondern Zeitverschwendung für mich. Alles war gut so wie es war. Auch die Trauer um Menschen wie Dieter Bockhorn gehört zum Leben, Freude und Trauer. Schweres hat mich auch stark gemacht.

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Was ist Glück für Sie?
Glück bestimmte mein Leben. Auch jetzt beim Suchen und Finden meiner Oase. Schon am dritten Tag in Portugal fanden wir dieses Haus, und sobald sich das wunderschöne Tor öffnete und ich hineinfuhr, hüpfte mein Herz und ich wusste: Das ist es!

Stimmt es, dass Sie sich zum Geburtstag für den "Playboy" noch mal nackt zeigen?
Vor 25 Jahren habe ich mich zu meinem 50. Geburtstag noch mal für den "Playboy" ausgezogen – jetzt würde ich das nicht mehr tun. Das überlasse ich jetzt den Jüngeren.

Was macht für Sie eine Frau sexy?
Humor und Selbstbewusstsein, nach eigenem Zeitplan leben und nicht das machen, was vorgegeben ist.

Ihr Fazit zum 75. Geburtstag lautet also: Ich würde alles wieder so machen?
Ja, genau so, alles war gut so. Nur ein paar Männer hätte ich mir vielleicht sparen können.

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