"In aller Freundschaft"-Star Jutta Kammann: Serien-Rausschmiss hat "wahnsinnig wehgetan"

1998 bis 2014 spielte sie die Rolle der Oberschwester Ingrid Rischke in der Serie "In aller Freundschaft". Dass Jutta Kammann, 77, diese Rolle überhaupt bekommen hat, war ungewöhnlich. "Ich war ja schon 48. Und mit 48 kann eine Frau in unserem Gewerbe eigentlich kaum noch eine zweite Karriere machen", erklärt sie im Interview mit Nico Gutjahr für die "Webtalkshow" auf YouTube.

„In aller Freundschaft“-Rolle rettete sie vor der Altersarmut

Nach dem Tod ihres Mannes, Regisseur Wilhelm Semmelroth, im Jahr 1992 stand sie mit nichts da, hatte die vergangenen zehn Jahre für ihn gesorgt. "Und dass mir das noch mal gelungen ist, war natürlich eine ganz große Sache und hat mich auch ehrlich gesagt vor der Altersarmut gerettet", so die heute 77-Jährige. 

Jutta Kammann erfuhr über Kollegin vom Serien-Rausschmiss

Obwohl in der Branche Jahresverträge normal seien, schaffte Jutta Kammann es, über ein Jahrzehnt im Ensemble zu bleiben. Bis sie 2014 vom Ende ihrer Karriere bei "In aller Freundschaft" erfuhr – in der Maske am Set. "Ja, das war nicht so schön. Das ist verkehrt gelaufen", erinnert sie sich. Eine Kollegin habe schon vor ihr davon gewusst und zu ihr gesagt: "Mich hat man ja informiert und da werden hier in nächster Zeit noch einige alte Köpfe rollen". Für die Schauspielerin ein schwerer Schlag. "Das hat sehr wehgetan. Es hat wahnsinnig wehgetan", gesteht sie. 




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Umzug ins Seniorenheim mit 70

Mit ihrem überraschenden Ende bei der Serie sowie der Diagnose Makuladegeneration, einer Augenerkrankung, die zu schwerer Sehbehinderung führen kann, traf Jutta Kammann eine große Entscheidung. Sie zog im Alter von 70 Jahren ins Augustinum, eine Seniorenresidenz in München. Sie habe plötzlich Angst bekommen, habe gewusst, dass sie wahrscheinlich keine Rollen mehr bekommen würde.

"Und dann sitze ich ganz alleine in meinem wunderschönen Penthouse, was ich hatte, und kriege Depressionen, weil ich keine Freunde habe, kein Umfeld", so die gebürtige Heidenheimerin. So weit kam es glücklicherweise nie. Soziale Kontakte seien "hundert Mal wichtiger als schöne Möbel oder große Quadratmeter". In ihrem neuen Zuhause ist sie glücklich, erfreut sich am vielfältigen kulturellen Programm und hat einige gute Freunde gewonnen.

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„Das ist fürs Herz genau das Richtige“

In ihrem Buch "Rothaarig und wild entschlossen – Aufgeben gibt's nicht" erzählt sie von ihrem Leben, dem Erlebten, dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter und erfreute unter anderem auch schon ihre Mitbewohner in der Seniorenresidenz mit einer Lesung. 

Ein großes Highlight sind für Jutta Kammann heute aber auch die Gastauftritte bei "In aller Freundschaft", wo sie zuletzt im vergangenen Juni zu sehen war. Am Set wird sie dann mit offenen Armen empfangen. "Es ist Zuhause", schwärmt sie von den Kollegen und Mitarbeitern. "Alle sind so außerordentlich lieb und gut zu mir, das ist fürs Herz genau das Richtige."

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