Howard Carpendale: Mein Leben in Bildern

Ein bewegtes Leben mit Höhen und Tiefen. Howard Carpendale wird 75. Im Gespräch mit t-online blickt er auf sein Leben zurück und erzählt Anekdoten über die wilden 70er, Helene Fischer und sein kompliziertes Verhältnis mit Udo Jürgens.

“Das schöne Mädchen von Seite 1”, “Hello Again”, “Deine Spuren im Sand”, “Ti Amo”: Die Liste der Hits von Howard Carpendale ist noch viel länger. Er zählt zu den erfolgreichsten Sängern in Deutschland. Am 14. Januar vor 75 Jahren wird er in Südafrika geboren. 

Für t-online blickt der Erfolgsmusiker in sieben Fotos auf die vergangenen sieben Dekaden seines Lebens zurück. Er spricht über seine Kindheit, seinen Umzug von der Heimat nach London mit 18 Jahren und den ein oder anderen Kollegen aus der Schlagerwelt.

Die Jugend in den 1950er Jahren

(Quelle: Semmel)

“Da muss ich etwa vier oder fünf Jahre alt gewesen sein. In Südafrika haben wir nicht viel vom Zweiten Weltkrieg mitbekommen, der etwa ein halbes Jahr vor meiner Geburt endete. Ich weiß nur, dass der Bruder meines Vaters, Howard, im Krieg in Nordafrika gefallen ist. Ich wurde nach ihm benannt. 

Die ersten zehn Jahre meiner Kindheit waren nicht sehr toll, weil ich oft alleine war. Meine Eltern waren beide berufstätig. Dabei habe ich etwas fürs Leben gelernt: Ich kann mit mir allein sehr gut auskommen. Auch die Schulzeit war keine tolle Zeit. Ich war auf mich alleine gestellt und war irgendwie die ersten Lebensjahre eine Pflaume.

Zwischen zehn und zwanzig war dafür eine schöne Zeit, die sehr vom Sport geprägt war. Das war damals meine große Leidenschaft. Ich bin nämlich schnell sehr groß geworden. Mit zwölf Jahren war ich schon 1,82 Meter groß – danach bin ich leider nicht mehr viel gewachsen. Aber das war ein Wachstumsschub, der mir beim Sport sehr geholfen hat. An der Schule wurde ich dafür bewundert.

Ich glaube, es hat mir gutgetan, dass ich schon früh mit viel Aufmerksamkeit zu tun hatte. Die Musik kam etwa zur gleichen Zeit. Mit zwölf nämlich habe ich an einem Talentwettbewerb teilgenommen und konnte da erste musikalische Erfolge verbuchen.”

Die 60er: Zeit des Wandels in London

(Quelle: Dominick Beckmann)

“Das müsste ein Promo-Foto Ende der 60er sein, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wofür. In den 60er Jahren passierte viel. Ich bin nach England gegangen, weil ich der Meinung war, dass ich weder als Sportler noch als Musiker in Südafrika eine große Zukunft haben könnte.

Die Entscheidung, dass ich mit 18 nach England ziehen möchte, war recht spontan. Die Uni fand ich totlangweilig und dann habe ich das meinen Eltern gesagt. Die waren nicht begeistert, haben mich aber bei dem Vorhaben unterstützt. England war das Zentrum der Musikwelt. Ich habe dort Jobs angenommen, um über die Runden zu kommen. Ich habe Eis verkauft und war auch mal Nachtwächter bei einer großen Firma.

Ich habe aber immer an der Musik weitergearbeitet und hatte dann auch die ersten kleinen Erfolge. Nach ‘Das schöne Mädchen von Seite 1’ ging es allerdings bergab. Doch mir war klar, dass ich dranbleiben muss und meine Musik selbst schreiben möchte. Sonst hätte ich meine Karriere wohl damals beendet.”

Die wilden Siebziger

(Quelle: Semmel)

“Das war eine brillante Idee von einem Kölner Journalisten. Der Mann, der neben mir läuft, ist Egon Bodewich, ein damaliger Nachbar von mir. Der war etwa 85 und rauchte gefühlt 100 Zigaretten am Tag. Er war ein richtiger Charakter.

Das Leben in Köln war wild. Ich war 24, 25 Jahre alt und feierte auf einmal große Erfolge in Deutschland. Plötzlich wird man überall erkannt und hat viele Auftritte. Ich habe im ersten Jahr nicht so aufgepasst. Durch die Erfolge in den 70ern bin ich ausgeflippt. Ich habe mein Geld für unnötige Dinge ausgegeben und habe mich überschätzt. Zu der Zeit habe ich mit meinem Gitarristen zusammengelebt und wir haben Köln ordentlich aufgemischt. Das war eine lehrreiche Zeit, weil ich gemerkt habe, dass das der falsche Weg ist.”

Die 80er: Freundschaften und Erfolge

(Quelle: Semmel)

“Das Foto entstand auf der Geburtstagsfeier unseres gemeinsamen Konzertmanagers Fritz Rau. Mit Udo Lindenberg hatte ich eine sehr freundschaftliche Beziehung. Mit ihm war es immer ziemlich easy – wenn man ihn denn versteht. Das gelang mir nicht immer, wenn er spricht. Meine Beziehung zu Udo Jürgens war im Vergleich dazu zwar keine Freundschaft, aber geprägt von großem Respekt. Er hat tolle Lieder geschrieben, die ich bei meinen Konzerten auch immer wieder eingestreut habe. Nach seinem Tod habe ich ‘Ich war noch niemals in New York’ als Hommage an Udo umgetextet. Das war für mich und mein Publikum sehr emotional. Ich muss schon sagen, dass ich ihn manchmal vermisse.

Die 80er waren ein tolles Jahrzehnt, in dem ich viele Erfolge feiern konnte. Bei der “Hitparade” haben wir uns alle gut verstanden, aber man wollte doch schon gerne vor den Kollegen liegen. Es gab viel Konkurrenz damals.”

Die 90er: Das Leben in Florida

(Quelle: Dominik Beckmann)

“In den 90ern zog ich nach Amerika, weil mich eine Immobilie in Florida so fasziniert hat. Ich war dort im Urlaub und entdeckte eine Anlage mit mehreren Häusern, viel Wasser, schönen Golfplätzen und irgendwie wirkte das auf mich wie ein modernes Venedig. Da wollte ich wohnen. Und ich blieb dort für 15, 16 Jahre.

Musikalisch hingegen waren die 90er durchwachsen. Ich habe mich immer weiterentwickelt, weil ich glaube, dass das auch etwas ist, was ein Künstler machen sollte. Das macht diese Branche auch so spannend – das hat vielleicht nicht immer jedem Fan gefallen, aber es war spannend.”

Die 2000er: Freundschaften im Schlager

(Quelle: Semmel)

“Das Foto ist 2009 entstanden. Ich habe mit beiden ein sehr gutes Verhältnis. Florian Silbereisen ist ein Typ, den ich sehr respektiere. Ich kenne ihn weit über seine Arbeit als Moderator hinaus und abseits der Bühne. Vom Alter her sind wir unterschiedlich, aber das ist ein Mann, den ich gerne als Freund habe. Er ist ein sehr ehrlicher und dennoch lockerer Mensch. Und Helene… sie ist ein Phänomen. Eine tolle Künstlerin und liebe Person.

In der Schlagerwelt sind Freundschaften möglich, aber ich glaube, dass es einsamer wird, je weiter man kommt. Früher gab es die ‘ZDF Hitparade’. Damals war man dort mit zehn, zwölf anderen Künstlern ein paar Tage zusammen. Das ist heute bei den Sendungen nicht mehr so.

Man kennt sich in der Branche und unterhält sich auf Veranstaltungen. Dass ich Kollegen auch privat treffe, kommt selten vor. Aber Giovanni Zarrella schätze ich sehr und zähle ihn zu meinen Freunden. Eloy de Jong ist auch ein toller Kerl und super Sänger. Und Kerstin Ott ist sowieso eine der ehrlichsten und authentischen Künstler*innen, die ich kenne. Daher haben wir im letzten Jahr auch zwei Songs miteinander aufgenommen und hatten einige Auftritte zusammen.”

Heute

(Quelle: Mumpi Künster/Monsterpics) 

“Durch meine letzten beiden Alben ‘Symphonie meines Lebens 1 und 2’ hat sich ein Kreis geschlossen. Wenn ich jetzt auf meine Karriere und mein Leben zurückblicke, bin ich sehr zufrieden. Ich stehe aber am Anfang vom Ende – das ist mir klar. Wann dieses Ende tatsächlich sein wird, weiß ich nicht.

Ich möchte noch mit der ‘Show meines Lebens’ weiter auf Tour gehen, die durch die Pandemie leider vorerst auf Eis liegt. Trotzdem: Ich stehe jetzt genau an dem Punkt in meinem Leben, an dem ich gerne bin. Mir fehlt jedoch das Auftreten.

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Jetzt bin ich 75, aber das Alter ist mir egal. Es ist einfach eine Zahl. Es ist mein Geburtstag, aber es ist ein ganz normaler Tag für mich. Natürlich werde ich viele SMS und Anrufe bekommen, aber es ist kein Tag, den ich groß feiere oder etwas anderes mache als sonst.

Ich mache mir eher Gedanken, wie es weitergeht mit uns. Nicht nur mit der Musiklandschaft – mit der die Politik übrigens miserabel umgeht – sondern generell mit uns allen. Es ist aktuell eine eigenartige Welt, in der wir leben. Da fühlt man sich manchmal auch hilflos. Ich hoffe, dass wir bald eine Vision haben, wie es weitergeht. Unter der Pandemie leiden sehr viele Menschen, nicht nur wir Musiker. Jetzt haben wir immerhin einen Impfstoff und das gibt Hoffnung. Auch ich werde mich definitiv impfen lassen.”

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