Filmemacher Herbert Achternbusch ist tot

Trauer um Herbert Achternbusch: Der Romancier, Dramatiker, Dichter, Filmemacher, Maler und Schauspieler ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er hinterlässt ein großes Werk.

Schon vor acht Jahren klagte der Filmemacher über Schmerzen in den Beinen. Es gehe ihm nicht gut, er komme kaum noch die Treppe runter, erzählte er damals der Deutschen Presse-Agentur. „Ich mach gar nix mehr, geh nur noch zum Essen und Scheißen“, sagte Achternbusch am Telefon in seiner bekanntermaßen immer ziemlich ungeschminkten Redeweise.

Jetzt ist Herbert Achternbusch gestorben. Er hinterlässt ein großes Werk. Fast 30 Filme listet seine Filmothek auf, 20 Theaterstücke, 40 Buchpublikationen und Hunderte von großflächigen Bildern. Das Malen zählte zu seiner Leidenschaft.

Der große bayerische Universalkünstler

Herbert Achternbusch kam als unehelicher Sohn einer Sportlehrerin und eines Zahntechnikers in München zur Welt und wuchs im Bayerischen Wald auf. Nach dem Abitur in Cham studierte er ein wenig an den Kunstakademien in München und Nürnberg herum und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, bevor er mit dem Schreiben begann.

Schon mit seinem ersten Roman „Alexanderschlacht“ sicherte er sich einen festen Platz in der Literatur-Avantgarde der Siebziger- und Achtzigerjahre. Mit seinen in rascher Folge entstandenen Theaterstücken errang er zweimal den Mülheimer Dramatikerpreis. Sein Zwei-Personen-Stück „Gust“ (1986) mit Sepp Bierbichler als aus der Zeit gefallenem Bauern, der im Begriff ist, seine Frau zu verlieren, lief jahrelang erfolgreich an den Münchner Kammerspielen. 2017 wurde am Münchner Volkstheater „Dogtown Munich“ uraufgeführt, abermals ein Bekenntnis zu seiner Heimatstadt und vielleicht so etwas wie ein Vermächtnis.

Herbert Achternbusch: Der Maler ist mit 83 Jahren gestorben. (Quelle: imago images)

Schon in den Siebzigerjahren kam Achternbusch in Kontakt zur Szene der deutschen Autorenfilmer um Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta. Seine oft mit geringem Aufwand gedrehten Streifen nahmen regelmäßig die so unangepasst-subversive wie obrigkeitshörige und bigotte bayerische Volksseele aufs Korn. In „Der Depp“ (1983) ließ er seinen Lieblingsfeind Franz Josef Strauß vergiften, im halbdokumentarischen „Bierkampf“ rechnet er mit einem bayerischen Heiligtum ab: dem Oktoberfest.

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Als er in „Das Gespenst“ Jesus Christus vom Kreuz herabsteigen lässt, um mit Maria eine Kneipe zu eröffnen, war für den damaligen CSU-Innenminister Friedrich Zimmermann das Maß voll. Er verweigerte dem unbotmäßigen Regisseur die Auszahlung der letzten Förderrate, weil dieser das „religiöse Empfinden großer Teile der Bevölkerung“ verletzt habe. Längere Zeit bekam Achternbusch daraufhin im Fernsehen kein Bein mehr auf den Boden.

Achternbusch gehört längst zum Inventar des bundesrepublikanisch-bayerischen Kuriositätenkabinetts. Zu seinem 80. Geburtstag widmete ihm das Münchner Filmmuseum eine Hommage mit acht seiner Spielfilme sowie einem Filmporträt. Jetzt, drei Jahre später, ist der Filmemacher gestorben.

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