"Es gibt einige Bereiche, in denen ich an mir arbeiten muss"

Barbara Meier setzt sich seit Jahren für Nachhaltigkeit und Fairness in der Modebranche ein. Im Gespräch mit t-online berichtet sie, wo diesbezüglich noch viel Arbeit zu tun ist. 

Im Interview mit t-online erzählt die frühere GNTM-Gewinnerin Barbara Meier, wie umweltbewusst sie privat ist und wo sie in Sachen Nachhaltigkeit – insbesondere mit kleinem Baby – noch deutlichen Verbesserungsbedarf sieht und wo sie persönlich an ihre Grenzen kommt. 

Barbara Meier ist Botschafterin des Grünen Knopfes, dem 2019 gelaunchten Textilsiegel des Bundesentwicklungsministeriums, und bringt im Mai eine eigene Mutter-Baby-Kollektion mit Lidl raus, die wiederum mit diesem ausgezeichnet ist.

t-online: Hand aufs Herz, Frau Meier, wie umweltbewusst sind Sie privat?

Barbara Meier: Ich gebe jeden Tag mein Bestes und versuche mich ständig zu verbessern und einen weiteren Schritt Richtung noch mehr Umweltschutz zu gehen. Perfekt bin ich aber nicht. Es gibt noch einige Bereiche, in denen ich noch an mir arbeiten muss. Ich persönlich finde allerdings das Wichtigste, sich auf den Weg zu machen. Wenn jeder von uns sich immer um einen kleinen Schritt verbessert, können wir gemeinsam ganz viel erreichen.

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Sie sagten mal: “Wir sollten nie unterschätzen, welche Macht wir als Konsumenten haben. Am Ende des Tages richtet sich eine ganze Branche auch nach unseren Wünschen und Bedürfnissen.” Wie nutzen Sie diese Macht?

Ich spreche bei Jobs zum Beispiel sehr viel mit Marken und Markenvertretern, Designern, Stylisten etc. über Nachhaltigkeit und versuche sie dazu zu bringen, sich in ihrer Arbeit ein wenig mehr in Richtung Fair Fashion zu bewegen. Ich konnte schon vielen Leuten gute Tipps und Inspirationen geben.

Und im Privaten?

Wenn ich selbst einkaufe, achte ich sehr auf Siegel. Vor allem bei der Kleidung für meine kleine Tochter. Es kommt auch öfter vor, dass ich Marken darauf anspreche, dass es zum Beispiel nicht nötig ist, Kleidung in zwei Plastiktüten zu verpacken. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass wir den Marken auch immer wieder Feedback geben und ihnen mitteilen, was wir uns wünschen. Viele Dinge kaufe ich auch einfach nicht, wenn ich weiß, dass sie unter den falschen Bedingungen hergestellt wurden.

Sind Sie gegenüber Freunden und Familie manchmal belehrend oder halten Sie sich eher zurück?

Belehrend gar nicht. Zum einen weil ich auch nicht perfekt bin und immer neue Punkte finde, die ich noch an mir verbessern kann. Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass man jemanden durch Belehrung von etwas begeistern kann. Ich zeige Freunden und Familie allerdings schon, was mich gerade interessiert und wie spannend ich neue nachhaltige Produkte finde. Wenn sie dann Lust haben, das auch auszuprobieren, freue ich mich. Wenn nicht, bin ich aber auch nicht böse.

Wie nachhaltig ist Ihr Kleiderschrank?

Mein Ziel war es immer 20 Prozent Fair Fashion im Kleiderschrank zu haben und diesen Prozentsatz dann schrittweise zu erhöhen. Dem ersten Ziel von 20 Prozent nähere ich mich langsam. Letztens habe ich auch tolle Secondhandteile gekauft.

Barbara Meier mit einem kleinen Model: Sie freut sich über den baldigen Launch ihrer Mutter-Kind-Kollektion. (Quelle: Lidl)

Durch meine eigene Kollektion mit Lidl wurde mein Kleiderschrank und auch der meines Babys zusätzlich viel nachhaltiger. Ich habe jetzt tolle Sommerkleider, die dann genau auf das Outfit meiner kleinen Maus abgestimmt sein werden und die zusätzlich nachhaltig und mit dem Grünen Knopf ausgezeichnet sind. Das ist das Beste, was ich mir momentan von einem Kleidungsstück wünschen kann. Ich ziehe mich jetzt schon gern im Partnerlook mit meiner Tochter an. Ab 3. Mai bin ich dann im perfekten Mini-Me-Look mit ihr.

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Bundesentwicklungsministerium zur Kritik am Grünen Knopf
Es gibt auch Kritik am Grünen Knopf hinsichtlich der tatsächlichen Nachhaltigkeit des Siegels. Ein Sprecher des Bundesentwicklungsministeriums entgegnet diesbezüglich auf Nachfrage von t-online: “Das ist ja häufig die Kritik an Textilunternehmen, dass sie eine Vorzeigekollektion nach hohem Standard produzieren, sich aber als Unternehmen insgesamt nicht verantwortlich für Mensch und Natur verhalten. Das Besondere am Grünen Knopf ist aber, dass das ganze Unternehmen geprüft wird, nicht nur eine Produktlinie. Es wird unabhängig geprüft, ob das Unternehmen insgesamt seiner Sorgfaltspflicht für Mensch und Natur nachkommt und dann erst, ob Produkte mit anspruchsvollen Siegeln, wie GOTS, den Grünen Knopf tragen dürfen. Der Grüne Knopf leistet da Pionierarbeit. Es gibt bestimmt noch Kriterien, die verbessert werden müssen, aber daran wird aktuell gearbeitet.” Auf eine weitere Frage, welche Produktionsschritte inzwischen von Gutachtern des Grünen Knopfes abgedeckt werden, heißt es aus dem Bundesentwicklungsministerium: “Aktuell deckt der Grüne Knopf die Produktion und die Nassprozesse, also das Färben oder Bleichen, ab. Das sind in der Textillieferkette Schritte mit besonders gravierenden Umweltproblemen, z.B. die Verwendung von giftigen Chemikalien, oder großen sozialen Herausforderungen wie fehlender Arbeitsschutz. Das Bundesentwicklungsministerium, dem der Grüne Knopf gehört, hat bei der Einführung im September 2019 angekündigt, die Kriterien schrittweise zu erhöhen. Ende dieses Jahres soll diese überarbeitete Version des staatlichen Siegels eingeführt werden.”

Wie gut funktioniert es allgemein für Sie mit einem Baby auf Nachhaltigkeit zu achten?

Auf der einen Seite sehr gut, weil es für Babys sehr viele nachhaltige Produkte gibt. Spielzeug aus Holz hat beispielsweise wieder ein Revival. Bei der Kleidung gibt es auch viele gute umweltfreundliche Produkte. Sie sind leider oft noch etwas teurer und nicht für jeden leistbar. Diese Lücke wollten wir mit der Kollektion schließen und Fair Fashion für jeden erlebbar machen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Dinge, die auch auf dem Babymarkt noch verbessert werden müssen: Windeln, Feuchttücher, etc. Da würde ich mir noch mehr nachhaltige Produkte wünschen.

Barbara Meier mit ihrer Tochter: Marie-Therese kam im vergangenen Jahr zur Welt:

Zum Beruflichen: Wie geht Nachhaltigkeit mit Ihrem Job als Model überhaupt einher?

Beim Job muss ich ab und zu Kompromisse eingehen und es gibt sicherlich noch viele Punkte, die ich verbessern kann. Ich nehme mittlerweile oft den Zug oder fahre kurze Strecken mit dem Elektroauto. Ganz vermeiden lässt sich das Fliegen leider nicht. Aber hier gibt es ja durch Corona zum Glück den Trend zu mehr Videokonferenzen und weniger Liveterminen. Das wird bis zu einem gewissen Punkt meiner Meinung nach auch nach der Pandemie noch bleiben. Aber das Fliegen ist tatsächlich einer der Kompromisse, die ich eingehen muss. Andererseits habe ich gerade durch meinen Beruf allerdings auch die Chance, tolle nachhaltige Projekte zu realisieren. Für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar. Ich versuche meinen Beitrag dazu zu leisten, dass unsere Branche ein wenig fairer wird. Über die letzten Jahre konnte ich Nachhaltigkeit und meinen Job immer mehr verbinden.

Wonach suchen Sie Kooperationen aus, die Sie beispielsweise auf Instagram machen?

Ich habe Kooperationen schon immer danach ausgesucht, ob ich das Produkt selbst benutze oder benutzen würde. Ich spreche auch vorher mit den Firmen, ob Mikroplastik in Produkten enthalten ist und ob sie wirklich keine Tierversuche mehr machen. Kürzlich sollte ich Markenbotschafterin für ein Shampoo werden. Ich war ganz entsetzt zu hören, dass eine so große und prominente Marke Tierversuche noch immer nicht ausschließt und habe das direkt abgesagt. Durch diese Einstellung habe ich schon seit Beginn meiner Karriere einige sehr lukrative Angebote nicht angenommen; einfach weil ich nicht hinter dem jeweiligen Produkt stehen konnte. In letzter Zeit wird mir bei den Kooperationen die Nachhaltigkeit aber auch immer wichtiger. Ich erwarte von meinen Partnern keine hundertprozentige Nachhaltigkeit, aber ich erwarte schon, dass sie sich verbessern möchten und Impulse setzen, um ihr Unternehmen auf den richtigen Weg zu bringen.

Würde es für Sie denn infrage kommen, nur noch für faire Brands zu arbeiten?

Das wäre natürlich mein Wunsch für die Zukunft. Bisher ist der Markt von super fairen Brands leider noch nicht so groß, dass ich so meinen Job ausüben könnte. Aber zum Glück gibt es einen großen Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Und bis es so weit ist, dass die fairen Brands in der Mehrzahl sind, versuche ich weiter meinen Einfluss und meine Kontakte zu nutzen, um unsere Brache zu verbessern und ein wenig fairer zu machen.

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Würden Sie auch eine geringere Gage nehmen, um eine faire kleinere Marke zu unterstützen? 

Das kommt immer ganz auf die Marke an. Ich habe auf Instagram schon viele kleine Fair-Fashion-Marken unterstützt, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Wenn ich wirklich von einem Produkt überzeugt bin, zeige ich das auch gerne. Es geht bei mir auf Instagram nicht darum, möglichst viele bezahlte Kooperationen zu machen, sondern meine Follower zu inspirieren und ihnen Sachen zu zeigen, die ich selbst gut finde.

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