Elizabeth Holmes wegen Betrugs für schuldig gesprochen

In vier von elf Anklagepunkten

Elizabeth Holmes wegen Betrugs für schuldig gesprochen

Elizabeth Holmes schuldig gesprochen

Als Visionärin gefeiert – als Betrügerin entlarvt

Einst versprach Elizabeth Holmes eine Revolution bei Bluttests, jetzt ist sie des Betrugs an ihren Geldgebern schuldig gesprochen worden.

Ihr drohen 80 Jahre Haft

Geschworene in Kalifornien konnten sich am Montag (3. Januar) in vier von elf Anklagepunkten auf einen Schuldspruch einigen. Holmes hatte das letztlich gescheiterte Bluttest-Start-up Theranos gegründet und nahezu eine Milliarde Dollar von Investoren bekommen. Sie wies den Betrugsvorwurf stets zurück. Die 37-Jährige, die vor Prozessbeginn Mutter wurde, kann gegen das Urteil in Berufung gehen.

Über das Strafmaß wird Richter Edward Davila zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Theoretisch drohen Holmes bis zu 20 Jahre Gefängnis pro Anklagepunkt – allerdings halten Prozessbeobachter in den USA eine Strafe von zehn Jahren für realistisch.

Das steckt hinter dem Fall

Das große Versprechen von Theranos war, Bluttests für immer zu verändern: Nur wenige Tropfen aus dem Finger sollten reichen, um auch umfangreiche Analysen durchzuführen. Holmes, die das Unternehmen Theranos als 19-jährige Studienabbrecherin der Elite-Uni Stanford gründete, wurde als Visionärin gefeiert. Medien verglichen sie mit Apple-Gründer Steve Jobs – was von ihrer Vorliebe für schwarze Rollkragenpullover noch unterstützt wurde. Die Gesamtbewertung von Theranos erreichte in den Finanzierungsrunden bis zu neun Milliarden Dollar. Auch das Vermögen von Holmes betrug damit zumindest auf dem Papier mehrere Milliarden Dollar.

Unter anderem die Drogerie-Kette Walgreens stieg ein und machte in Dutzenden Läden Platz für Theranos-Teststationen. Wie sich jedoch herausstellte, funktionierte die Technologie von Theranos nie verlässlich genug. So wurden Tests nicht mit eigenen Maschinen der Firma, sondern mit Labortechnik anderer Hersteller durchgeführt, die von Theranos-Technikern auf eigene Faust umgeändert wurden. Doch die Maschinen der Konkurrenz waren auf größere Mengen Blut der Patienten ausgelegt. Investoren und der Öffentlichkeit wurde das jedoch verschwiegen.

Theranos musste deswegen die kleinen Fingerproben strecken, was aber die Genauigkeit einiger Tests beeinträchtigte. Theranos musste schließlich auf breiter Front Testergebnisse annullieren.

Journalisten deckten den Betrug auf

Die Probleme wurden 2015 mit einer Serie von Enthüllungsberichten im „Wall Street Journal“ bekannt, die Theranos zunächst mit Hilfe von Anwälten zu unterdrücken versuchte. Holmes stritt alles ab, aber die Artikel riefen US-Regulierungsbehörden auf den Plan, die unter anderem die Labore der Firma unter die Lupe nahmen. Theranos musste dichtmachen – und die Geldgeber gingen leer aus. 2018 folgte die Anklage, der Prozess begann aber erst im Herbst vergangenen Jahres.

Die Anklage warf Holmes vor, Geldgeber bewusst hinters Licht geführt zu haben, um an Investitionen für Theranos zu kommen. Die Geschworenen sahen das bei drei Geldspritzen bestätigt – und sprachen Holmes in einem weiteren Anklagepunkt auch der Verschwörung zum Betrug schuldig, wie aus Gerichtsunterlagen hervorging. Holmes sagte in dem Prozess aus, sie habe aufrichtig an die Technologie geglaubt, aber als Chefin nicht von allen Problemen gewusst. Nun dient ihre Geschichte lediglich noch als Vorlage für einen Hollywood-Streifen mit dem Titel „Bad Blood“ und Jennifer Lawrence in der Hauptrolle.

(dpa, jve)

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