"Ein bisschen mehr Kindheit wäre nicht verkehrt gewesen"

Als Zwölfjähriger wurde Timmo Niesner durch „Ich heirate eine Familie“ berühmt, doch nach dem Ende der Serie zog er sich komplett aus dem Rampenlicht zurück. Eine bewusste Entscheidung, wie er t-online erzählt hat.

Vor rund 40 Jahren waren sie die wohl berühmteste Patchworkfamilie Deutschlands: Werner Schumann, seine Angi und deren drei Kinder Tanja, Markus und Tom. 1983 startete „Ich heirate eine Familie“ mit Peter Weck und Thekla Carola Wied in den Hauptrollen beim ZDF – und wurde zum Quotenhit. Die Geschichte des Wiener Grafikers, der eine geschiedene Dreifachmutter aus Berlin heiratet und sein Leben damit komplett auf den Kopf stellt, lockte pro Folge bis zu 20 Millionen Menschen vor die Bildschirme.

„Ich wollte nicht besonders sein“

Die Darsteller wurden zu Stars, auch der damals erst zwölfjährige Timmo Niesner. Drei Jahre lang mimte er Markus, den mittleren Sohn der chaotischen TV-Familie, bevor die Serie 1986 endete.

„Ich heirate eine Familie“ machte Peter Weck, Timmo Niesner, Julia Biedermann, Tarek Helmy und Thekla Carola Wied (v.l.n.r.) zu Stars. (Quelle: IMAGO / United Archives)

Damals habe es bei Weitem noch nicht so viele Medien gegeben wie heute, wo sich die Aufmerksamkeit verteile, und er sei jahrelang das Stadtgespräch gewesen. Deshalb entschied sich der gebürtige Berliner nach dem Ende von „Ich heirate eine Familie“ und ein paar weiteren kleinen Rollen ganz bewusst für einen Rückzug aus dem Scheinwerferlicht. „Ich habe gemerkt, dass ein öffentliches Leben zu führen einfach nicht meins ist“, so der ehemalige Seriendarsteller, der auch keinen Social-Media-Account hat. Er betont: „Ich liebe das Schauspielern, aber ohne die Nebeneffekte, wie Autogramme zu geben und auf der Straße erkannt zu werden. Das brauche ich nicht.“

Die Stimme der Hollywoodstars

Timmo Niesner wechselte hinter die Kamera, arbeitet bis heute sehr erfolgreich als Synchronregisseur und -sprecher – und wird, wenn dann, nur noch aufgrund seiner Stimme erkannt. Denn die leiht er den ganz großen Hollywoodstars. 

Timmo Niesner bei seiner Arbeit als Synchronsprecher. (Quelle: privat)

Seit den Neunzigerjahren ist er die deutsche Stimme von Elijah Wood, sprach unter anderem Frodo in der „Herr der Ringe“-Reihe. Seit 2009 synchronisiert er in den neuen „Star Trek“-Filmen zudem Mr. Spock, der von Zachary Quinto gespielt wird. Auch Peter Sarsgaard, Tom Welling, Topher Grace, Dominic Cooper und Paul Dano gehören zu seinem Repertoire. Genauso wie Eddie Redmayne in Blockbustern wie „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ oder „Phantastische Tierwesen“.

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„Diese Vielfalt ist es, die ich an meinem Beruf liebe“, schwärmt Timmo Niesner im Gespräch mit t-online. „So viele verschiedene Rollen zu spielen, das hätte ich als deutscher Schauspieler wahrscheinlich nie erreichen können. Da wäre das höchste der Gefühle vielleicht ein ‚Tatort‘-Kommissar gewesen.“

Am heutigen 5. November feiert Timmo Niesner seinen 50. Geburtstag. Auch wenn er seinen frühen Ruhm rückblickend kritisch sieht und mit dem Wissen eines dreifachen Vaters sagt, „ein bisschen mehr Kindheit wäre nicht verkehrt gewesen“, ist er dankbar für die Erfahrungen, die er vor der Kamera sammeln konnte. Denn sie haben ihn dorthin geführt, wo er jetzt ist – und ihm einen Freund fürs Leben geschenkt: „Mit Tarek Helmy, meinem kleinen Serienbruder, bin ich noch immer sehr eng verbunden. Allein für ihn würde ich’s nochmal machen“, so der Berliner.

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