Comeback oder Abschied?

Für ihr Jubiläumsalbum "20" kleideten die No Angels einige ihrer alten Hits in neue Gewänder. Am 4. Juni erscheint das Album der Kultband, das neben Klassikern wie "Daylight in Your Eyes" und "Still in Love With You" auch vier neue Songs im Gepäck hat. Wie es für die Bandmitglieder war, die Songs getrennt voneinander aufzunehmen und warum das Endergebnis an Honig erinnert, erklären Lucy Diakovska (45) und Jessica Wahls (44) im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Hatten Sie vor dem Jubiläum darüber nachgedacht, noch einmal gemeinsam Musik zu machen?

Jessica Wahls: Lucy und ich haben immer mal wieder darüber geredet. Da war immer dieses Gefühl, dass das damals so rasend schnell auseinandergedriftet ist, ohne dass man einen richtigen Schlussstrich gezogen hat. Für mich hat sich das immer unvollendet angefühlt. Das ist jetzt ein Anfang, kann aber auch ein Abschluss sein. Das macht die Sache rund.

Für Sie ist das neue Album ein Ende statt eines Comebacks?

Wahls: Moses Pelham hat mal gesagt: "Am Ende ist alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende." Das trifft auf die Situation ganz gut zu. Wir sind nicht zusammengekommen, um wieder über Jahre hinweg gemeinsam Musik zu machen. Wir sind zusammengekommen, um 20 Jahre No Angels zu feiern und um den Fans etwas zurückzugeben. Wir wollen nochmal da sein und vielleicht, wenn es die Pandemie zulässt, ein kleines Konzert spielen. Sei es dann ein Abschiedskonzert oder was auch immer, das wissen wir noch nicht genau.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, für das Jubiläumsalbum alte Songs neu aufzunehmen?

Lucy Diakovska: Wir möchten die Musik zelebrieren. Denn die No Angels sind zwar wir vier, aber noch viel mehr die Songs. Ich glaube, die Lieder waren noch viel prägender als wir als Persönlichkeiten. Aus diesem Grund ist das Album aus diesen Songs entstanden – und zwar nicht so, wie sie einmal waren, sondern wie sie heute sind. Ich denke, dass sie heute auch anders aufgenommen werden. Nicht nur von Fans, sondern auch von Menschen, die zuvor gar nichts mit uns anfangen konnten. Die hören das nun und denken sich: Wow, ist das ein cooler Song! (lacht)

Diese Songs haben Sie selbst ausgewählt. Wonach sind Sie bei Ihren Entscheidungen gegangen?

Diakovska: Wir wollten Songs im Jahr 2021 zeigen, die wirklich aus unseren ersten Jahren kommen. Unsere Alben "Destiny" (2007) und "Welcome to the Dance" (2009) sind konzeptionell immer noch up to date. Man kann sie immer noch wunderbar hören. In den ersten drei Alben hatten wir jedoch diesen 90er, Anfang 2000er Popsound und es war uns wichtig, diesen Sound umzuwandeln. Daher war für uns klar, dass die Songs aus den ersten drei Alben stammen werden. Und dann waren wir uns total einig, oder?

Wahls: (lacht) Na ja. Am liebsten hätten wir natürlich viel mehr Songs gemacht. Wir haben dann angefangen, uns alle Singles nochmal anzuhören und zu überlegen, woran besonders unser Herz hängt. Genauso wie Albumtracks, die uns und unseren Fans wichtig sind. Die Auswahl war zwar schnell klar, aber für alle Lieblingssongs war leider kein Platz.

Sie haben die Aufnahmen für “20” getrennt voneinander im Studio eingesungen. Wie war das für Sie?

Diakovska: Das hat sich komisch angefühlt.

Wahls: Ja, das war seltsam. Man hat sich mit der Zeit daran gewöhnt, weil man die alten Songs kannte. Da war es einfacher. Bei den neuen Songs habe ich aber hin und wieder etwas Feedback vermisst. Man hat sich sonst auch im Studio gegenseitig gestützt, wenn man mal einen schlechten Tag hatte. Das war dieses Mal nicht möglich.

Wie zufrieden oder überrascht waren Sie über das Endergebnis?

Wahls: Es hat alles dann doch sehr, sehr gut funktioniert. Wenn man das Album hört, fühlt es sich trotzdem nach einer Einheit an. Das finde ich total verrückt. Ich war ganz hin und weg, als ich das Album zum ersten Mal gehört habe.

Diakovska: Ich war auch begeistert. Ich denke, niemand von uns hätte gedacht, dass wir so etwas eines Tages machen werden. Dass wir nicht einfach nur ein Best-of-Album produziert haben, sondern eines ganz neu aufgenommen, neu erzählt, und all die unterschiedlichen Jahre und Produzenten in eine Linie gebracht haben. Es klingt wie Honig! (lacht)

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