Schlagerwelt feiert emotionalen Abschied von Jürgen Drews

  • In der ARD feierte der „König von Mallorca“, der Drews Jürgen, am Samstagabend seine große Abschiedssause.
  • Weggefährten wie der Gabalier Andy, der Kaiser Roli, die Kelly Maite und sogar der Hasselhoff David gaben sich die Ehre.
  • Das große Schaulaufen endete mit einer kleinen Enttäuschung.

Eine SatirevonRobert Penz

Diese Satire stellt die Sicht von Robert Penz dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

20:15 Uhr: „Der König von Mallorca wird heute noch einmal auf der großen Showbühne stehen“, sagt der Silbereisen Flori zu Beginn irgendwo hinter der Bühne in Leipzig. Danach läuft er einfach davon. Entweder findet er es irgendwie cool, nach einer Anmoderation vor Millionenpublikum davonzujoggen oder er ist peinlich berührt weggezischt, weil er gerade zum ersten Mal bemerkt hat, dass seine Art zu sprechen ja wirklich nicht ganz normal ist. Müsste man ihn nachher fragen.

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20:18 Uhr: Der Host läuft eine Treppe auf die Bühne hinunter und landet dort zwischen gewaltigen Feuerfontänen. „Eins kann mir keiner nehmen. Und das ist die pure Lust am Leben“, singt er, der Silbereisen Flori, der, wie die Audiodeskription verrät, sein dunkelblondes Haar hochgestylt habe. Kicher!

20:19 Uhr: Leider brüllt der Silbereisen Flori heute wieder extrem. „Zum allerletzten Mal, Ein Bett im Kornfeld‘. Nach über 60 Jahren auf der Bühne und über 500 Wochen in den Charts dankt der König von Mallorca heute ab“, schreit der mit den hochgestylten Haaren in die Kamera. Er sei sich sicher, dass heute die eine oder andere Träne fließen werde.

Der Supertrick mit dem Gospelchor

20:21 Uhr: Die Drews-Frauen, Frau Ramona und Tochter Joelina, betreten die Bühne. „Seid ihr bereit für den großen Schlagerabschied?“ und „Habt ihr genügend Taschentücher dabei?“, so die ersten Superfragen vom Silbereisen Flori. Dann kommt er höchstpersönlich auf die Bühne, der Malle-König, der Drews Jürgen. Er trägt einen goldenen Anzug und hat zahlreiche Gospelsänger, die ein bisschen von der klassischen Schlagermucke ablenken sollen, im Gepäck. Supertrick! Alle gemeinsam bewegen die Lippen zum Song „Wenn die Wunderkerzen brennen“. „Das ist aber ein schöner Gospelsong“, werden sich viele Zuseher gedacht haben.

20:27 Uhr: Der Silbereisen Flori verbeugt sich mehrmals vorm Drews Jürgen, während das Publikum „Jürgen, Jürgen!“, skandiert. „So viel Applaus hatte ich noch nie“, gibt sich der 77-Jährige bescheiden. „Hast du Lust auf die ganz große Show nur für dich?“, hat der Silbereisen Flori schon die nächste Trottelfrage bei der Hand, deren Aussprache und Betonung an jene eines Sprechers einer Tierdoku, in der gerade fünf Komodowarane den weltweit letzten Schneeleoparden zur Sau machen, erinnern.

20:28 Uhr:Maite, du kannst tanzen wie eine Rakete“, habe der Drews Jürgen ihr einmal bei einem Zufallstreffen auf dem Flughafen gesagt, erzählt die Kelly Maite, die schon wieder auf ihre rund 250 Brüder und Schwestern pfeift und alleine anrückt. In ihrem Song „Ich brauche einen Mann“ geht’s sehr viel um „Lalalalas“ und „Oh ja’s“.

20:33 Uhr: Der von Empathie befreite Silbereisen Flori erzählt der Kelly Maite in Anwesenheit von der Drews Ramona, dass der Drews Jürgen im Zuge ihres Auftritts bei der Textzeile „Ich brauche einen Mann“ gleich aufgesprungen sei.

20:35 Uhr: „Lieber Jürgen, dieser Song ist nur für dich“, sagt der Silbereisen Flori, der jetzt mit der Kelly Maite auf die Bühne geht und dort mit „Am Ende dieser Zeit“ die größte Schlagerschnulze aller Zeiten singt. Die Drews Ramona, die Drews Joelina und der Drews Jürgen halten während der Performance Händchen.

Jürgen Drews erklärt sein Karriereende

Bei den Drews mäht der Erwin den Rasen

20:38 Uhr: Der Stolperking, der Borg Andy, singt mit seinen heute sogar auf den Schläfen hochtoupierten Haaren für den Malle-King seine neue Single. Vorher sagt der Wiener dem Neo-Rentner noch, dass er, da dieser nach seinem Abschied ja mehr Zeit haben sollte, darauf hoffe, ihn auch bald privat mal treffen zu können. Vielleicht können sie sich ja gegenseitig die Haare machen.

20:43 Uhr: „Keiner von uns allen hat so gut das Gestern mit dem Heute verbunden“, sagt der Borg Andy, der irgendwann mal Philosophie inskribiert haben muss, das Studium dann aber vermutlich verstolpert haben wird, zum Drews Jürgen.

20:44 Uhr: Wir erfahren, dass der Rasenmäher vom Drews Jürgen „Erwin“ heißt. Für eine Schlagersendung ist das mal eine ganz vernünftige Information. Dass danach irgendeine Schlagerlady einen Song der Country-Dance-Clowns „Rednex“ covert, zerstört gleich wieder alles.

Vertonte Tipps fürs Leben

20:50 Uhr: Der Drews Jürgen, der eigentlich Medizin studieren wollte, sei das letzte Mal kurz nach seinem Abitur betrunken gewesen, erzählt er. Sechs Jahrzehnte Schlagerbusiness ohne immerfort butterweich zu sein? Respekt!

20:53 Uhr: Der König von Mallorca performt vor acht Trommlerinnen, die auf Tonnen trommeln, seinen Song „Wieder alles im Griff“, der uns auch ein paar Tipps fürs Leben gibt. So sollen wir unter anderem „keine Panik auf der Titanic“ haben.

20:57 Uhr: Der Brink Bernhard wünscht dem Drews Jürgen „Sonne im Herzen und Gesundheit“ und hat laut Silbereisen Flori „die Hits der Hitparade aus seinem Jubliäumsalbum“ dabei. Was auch immer das heißt. Sie sind jedenfalls allesamt fürchterlich. Es gibt Leute im Publikum, die vom Playback singenden Brink Bernhard Handyvideos machen. WTF???

21:04 Uhr: Die Naschenweng Melissa habe, so erzählt sie zumindest ihrem Idol, dem Malle-King, bei „Ein Bett im Kornfeld“ zum ersten Mal geschmust. Beim Auftritt der Österreicherin zappeln hinter ihr sechs Tänzer in Lederhose. Also nur in Lederhose. Sie tanzen so, als ob sie auch schmusen wollten. Im Text von der Naschenweng Melissa geht’s ebenso ums Schmusen. Sie steht auf „Bergbauernbuam“. Viele deutsche Schlagerfans wären jetzt gern Bergbauernbuam. Es gehört eh viel mehr geschmust.

21:10 Uhr: Die Naschenweng Melissa schenkt dem Drews Jürgen eine Patenschaft für eine Parkbank im Park des Wiener Schlosses Schönbrunn. „Jürgen und Ramona Drews“ steht dort jetzt auf einer hölzernen Sitzgelegenheit.

Proteste beim Auftritt vom Antony Ross

21:12 Uhr: Der Antony Ross, der, seit er Schlager singt, noch keine Schlagershow verpasst hat, kommt auf die Bühne und gibt „Lass die Liebe Liebe sein“ zum Besten. „Es ist eine Weltpremiere“, sagt der Silbereisen Flori zum Auftritt vom Ross Antony in Leipzig. In der Carnegie Hall ist man schon seit Tagen total sauer und versteht die Welt nicht mehr. Der blonde Sänger trägt einen knallpinken Anzug sowie ein knallgelbes Hemd und knallgelbe Schuhe. Acht Leute aus dem Publikum erblinden während des Auftritts. Ein Tänzer, der dazu genötigt wurde, Pink zu tragen, hat sich während der Performance aus Protest auf den Bühnenboden geklebt.

21.19 Uhr: Die Laune, die die „Mountain Crew“ mit auf die Bühne bringt, ist relativ gut. Der Rest ist relativ schlecht. Vor allem ihre Musik lässt einem die Haare zu Berge stehen, was aber immerhin ihren Namen erklärt.

21:30 Uhr: „Aber jetzt machen wir mal eine Zeitreise mit ihren Megahits“, kündigt der Silbereisen Flori die Rosenberg Marianne an. Die Mittsechzigern hat sich im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht und beschlossen, als „Gundel Gaukeley“ verkleidet auf die Bühne zu kommen. Sie fiepst ein Medley mit ganz viel Bums-Dance-Style.

21:40 Uhr: „Wir gehen volles Risiko“ singt die Egli Beatrice, während sie nur die Lippen bewegt. Die Schweizerin bringt dem Drews Jürgen Raclette-Käse mit. Er ist nicht einmal luftdicht verpackt und wird der Drews Ramona die Handtasche vollstinken.

21:46 Uhr: Der Silbereisen Flori und die Käsefrau singen Playback den Song „Tausendundeine Nacht“. Klaus Lage werden schlagartig Barthaare, Wimpern und Augenbrauen vom Kopf gefallen sowie Kniescheiben und Zehennägel wegexplodiert sein.

König von Mallorca: Große Abschiedsshow für Jürgen Drews

Die große Frage: Wie geht’s Klaus Lage?

21:52 Uhr: Der an der chronisches Nervenkrankheit Polyneuropathie leidende Drews Jürgen bietet den Track „Irgendwann, irgendwo, irgendwie“ dar. Unterdessen werden kurze Videoclips von ihm aus vergangenen Tagen eingeblendet. „Ich denke, ich hätte auch ohne die Polyneuropathie so langsam ans Aufhören gedacht. Mir fehlt ja leider auch die Energie von früher“, so der Drews Jürgens kürzlich in einem Interview mit unserer Redaktion.

21:55 Uhr: Weiß jemand, wie es Klaus Lage geht?

21:58 Uhr: Der Zucker Ben, der auf seiner linken Hand ungefähr 250 Ringe in der Größe von Einfamilienhäusern trägt, singt einen Song, in dem ihm irgendwas „scheißegal“ ist. Beim Lied „Was für eine geile Zeit“ mischt das Publikum, das offenbar total auf die Stimme vom Zucker Ben abfährt, mit. „Ich fand dich einfach immer geil“, sagt der Drews Jürgen nachher zum Zucker Ben.

22:04 Uhr: Der Zucker Ben präsentiert nun die Nummer „Das Bett im Kornfeld steht jetzt leer“ – einen Song, den er für diesen Abend und für den Drews Jürgen geschrieben hat. „Ben, ich fang gleich an zu weinen“, sagt der abdankende König von Mallorca, kurz bevor er anfängt zu weinen. Irgendwer hätte dem Zucker Ben vielleicht sagen sollen, dass der Drews Jürgen wegen seines Rückzugs aus der Schlagerwelt nicht gleich stirbt oder so.

„Das Bett im Kornfeld steht jetzt leer.

Das Bühnenlicht verblasst

und die Krone wiegt sehr schwer.

Sind mit dir aufgewachsen,

haben mit dir gefeiert und gelacht.

Du warst und bleibst ein König.

Hast hier immer einen Platz.

Ohne dich wird’s hier leise.“

22:15 Uhr: Der Anders Thomas, der schon am Tag nach seinem allerersten Auftritt zurücktreten hätte sollen, singt rund 40 Jahre nach der verpassten Gelegenheit mit dem Neuen an seiner Seite, dem Silbereisen Flori, das furzlangweilige Lied „Rücksicht“. „Warum hast du dir die Haare abgeschnitten?“, will der Malle-King vom Ex-„Modern Talking“-Heini wissen. Der Silbereisen muss dann loswerden, dass er auch mal lange Haare hatte. Er versucht damit zum Ausdruck zu bringen, dass er nicht immer so ein Schattenparker war, wird aber von niemandem gehört.

22:24 Uhr: Der Krause Mickie, der ja selbst Jahr für Jahr auf Malle deutschen Ballermann-Aficionados einen Scheitel zieht, trällert den Track „Ich hab den Jürgen Drews gesehen“. Was total erstaunlich ist: Er handelt vom Drews Jürgen.

„Dass wir zusammen das Mikro schwingen.

Ja diese Chance war echt gering.

Jetzt stehen wir beide hier im Ring.

Der Mickie Krause und der King.

Ich hab den Jürgen Drews gesehen“

Jürgen sei „immer aufrichtig, ehrlich und anständig“ gewesen, sagt der Krause Mickie auf der Couch zwischen dem Silbereisen Flori und der Drews-Family.

22:31 Uhr: Der Gold Marian, Sänger von „Alphaville“, dessen Gesicht optisch immer mehr Richtung Monchichi geht, singt den Song „Forever young“. Er singt ihn live.

22:36 Uhr: Der P. Oli, der Hiphop für Zweijährige sowie Pudeln, Alopekis und Zwergpinscher macht, sagt, bevor er dem Drews Jürgen von der Bühne in einer Tour Kussmünder schickt, „Ich hab dich ganz, ganz doll lieb“ zum König. Der P. Oli und der Drews Jürgen haben einst eine ganze Tournee lang die Garderobe geteilt. „Ein Menschenfreund zum Anfassen“, sagt der P. Oli. Das ist schon toll, weil eh so viele Menschenfreunde nicht zum Anfassen sind.

„The Hoff“ und der Volks-Rock’n‘Roller

22:43 Uhr: Da scheißt sich der Verein an! Der Hasselhoff David, der alte Night Rocker und Autoflüsterer, hirscht in einer schwarzen Bikerjacke mit einem riesigen Adler aus Nieten auf die Bühne und singt für den Ruheständler seine Jahrhundertsongs „Crazy for you“ und „Looking for Freedom“. Was man schon konstatieren muss: Das Gesicht des Night Rockers ist nicht mehr ganz so beweglich wie früher. Schade!

22:52 Uhr: Der selbsternannte VolksRock’n“Roller, der Gabalier Andy, wird aus dem Bühnenboden hochgefahren und verschwindet leider nicht gleich wieder in der Versenkung. Im Gegenteil: Er bleibt relativ lang und erzählt zunächst im Song „Verdammt lang her“, dass ihm einst der Walkman das Hirn weggeföhnt habe, was zumindest einiges erklärt. Dann der Song „Hallihallo“, dessen Text der zweitbeste vom Gabalier Andy ist:

„Hallo Halli Halli Hallo Halli Halli Hallo
Hallo Halli Halli Hallo Halli Halli Hallo“

23:01 Uhr: Nachdem der kurzbehoste VolksRock’n’Roller auf der Couch ein bisschen Werbung für seine Tour gemacht und sich bei den Leipzigern eingeschleimt hat, latscht er in seinen Krachledernen noch einmal für eine Runde „Hulapalu“, nach der das Publikum zuvor schon die ganze Zeit gewinselt hat, zur Bühne zurück.

23:05 Uhr: Der Kaiser Roli, der in den letzten zehn Jahren nicht ein einziges Mal den Eindruck gemacht hat, als ob er auch nur ansatzweise Bock auf „Flori Silbereisen“- oder andere Trauerformate hätte, aber stets so gut wie alle mitnimmt, schiebt sich auf die Bühne, um dort in seinem blauen Dreiteiler, den es sich seit 1997 gar nicht mehr lohnt, auszuziehen, „Liebe bleibt“ zu playbacken. „Du siehst blendend aus“, sagt er danach zum Drews Jürgen.

Papa hat Pipi in den Augen

23:12 Uhr: Die Kelly Maite kommt noch einmal zurück und singt mit ihrem Neo-Brudi, dem Kaiser Roli, den Schlager „Warum hast du nicht nein gesagt?“. Wobei der Kaiser Roli gar keinen auf Brudi macht, sondern die Kelly-Sister während der Performance irgendwie ganz schön angeilt. Hoffentlich bekommt er dafür von keinem der 120 Brüder von der Maite Kelly eine gescheuert, wobei die meisten eh total friedliebend sind.

23:22 Uhr: Die 27-jährige Drews Joelina und ihr 77-jähriger Papa trällern gemeinsam den Song „We’ve got tonight“, eine Nummer von Sheena Easton und Kenny Rogers. Papa hat Pipi in den Augen. „Wir haben eine so tolle Tochter“, so der stolze Vater nach dem Auftritt.

23:29 Uhr: Der König von Mallorca, dessen Krankheit es ihm nicht mehr wirklich erlaubt, sich auf der Bühne großartig zu bewegen, packt im Finale natürlich „Ein Bett im Kornfeld“ aus“. Seine beiden Mädels und der Silbereisen Flori stoßen nach zwei Minuten dazu. Dass der allerletzte auf einer Bühne vom Drews Jürgen performte Track zur Gänze vom Band kommt, ist durchaus enttäuschend.

23:32 Uhr: Alle an diesem Abend aufgetretenen Künstler tauchen jetzt auf und singen bei „Ein Bett im Kornfeld“ mit. Das Publikum macht die Welle. Die KünstlerInnen auf der Bühne tun es ihm im Konfettiregen gleich.

23:34 Uhr: Der Drews Jürgen gibt seiner Ramona noch ein paar Küsschen und verabschiedet sich mit einem nüchternen „Auf Wiederschauen“ vom Publikum. Es war ein hartes Stück Abend, aber es gab schon härtere. Der Drews Jürgen ist halt einfach ein Menschenfreund zum Anfassen.

Plasberg, Kachelmann und Co. verabschieden sich aus dem Rampenlicht 

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