"Kein Sterbenswörtchen": Wie Ted Herold vor seinem Tod abtauchte

Seit seinem Bühnenabschied 2016 war Ted Herold wie vom Erdboden verschluckt. Nach seinem plötzlichen Tod fragen sich Weggefährten und Freunde nun: Was war in den letzten fünf Jahren nur los mit ihm?

„Das tut so weh“, erzählt Bernd Dietrich am Telefon. Wir erreichen den erfolgreichen Musikproduzenten am Sonntagmorgen. Kurz zuvor hatte t-online berichtet: Ted Herold ist tot. Er verstarb gemeinsam mit seiner Frau bei einem Wohnungsbrand. Dietrich kann das alles gar nicht glauben, er ist fassungslos.

Mit Hits wie „Verdammt, ich lieb‘ Dich“ wurde er zu einer Größe im deutschen Musikgeschäft. Neben Matthias Reim hat Dietrich auch für den Rock-’n‘-Roll-Star Ted Herold Songs produziert. Im Jahr 2002, lange nach den Höhepunkten von dessen Karriere, brachten sie die gemeinsame Single „Alles oder Nichts“ heraus. 

Es war der Beginn eines zweiten Karrierefrühlings für Ted Herold. Er machte wieder Musik, tourte über die Bühnen Deutschlands und war ein gefragter Stargast in deutschen Musikshows. Neue Lieder wie „Ich halt ’nen Platz im Himmel frei“ und „Rock ’n‘ Roll & Petticoat“, beide mit Bernd Dietrich produziert, brachten ihm wieder Geld ein.

Bernd Dietrich: Der Musikproduzent arbeitete mit Ted Herold zusammen. (Quelle: Privat)

„Er war einfach ein toller Typ“, beschreibt Dietrich den Musiker, der bereits mit 16 Jahren seinen ersten Song veröffentlichte. Man habe ihm in „keinster Weise angemerkt, dass er ein großer Star war“, so Dietrich weiter. Und er ergänzt: „Ein bodenständiger, netter Kerl, mit dem ich sehr professionell im Studio zusammenarbeiten konnte.“ 

Für Bernd Dietrich war diese Zusammenarbeit etwas ganz Besonderes. „Ich habe Ted als 15-Jähriger auftreten sehen. Da haben mir die Knie gezittert. In den Fünfziger-, Sechzigerjahren war er durch ‚Moonlight‘ der absolute Superstar der damaligen Zeit“, berichtet er. Er habe „nie daran gedacht“, mit dem Musiker mal gemeinsam im Studio zu stehen und Titel zu produzieren. „Ich hatte Herzklopfen, als ich plötzlich mit meinem Jugendidol Musik gemacht habe, und trotzdem sind wir uns immer auf Augenhöhe begegnet.“

Herold war nicht mehr zu erreichen: „Es herrschte Totenstille“

Doch in den vergangenen Jahren, bedauert Dietrich, habe Herold einfach „den Vorhang zugezogen“. Er sei abgetaucht, war nicht mehr erreichbar. „Es kam zu einem urplötzlichen und für mich unerklärlichen Schnitt. Selbst seine engsten Mitarbeiter kamen nicht mehr an ihn heran“, beschreibt der Produzent den Kontaktabbruch in den letzten Jahren seit 2014. 

Mit einer gewissen Betroffenheit schildert Dietrich, wie er es immer wieder versucht habe – aber nicht mehr zu Herold durchdringen konnte. „Ich habe oft angerufen, ihm auf den Anrufbeantworter gesprochen, seine Schwiegereltern kontaktiert. Aber ich und auch andere Weggefährten kamen nicht mehr an ihn heran. Es herrschte Totenstille.“ 

Ted Herold: Der Musiker lebte seit 2016 weitgehend zurückgezogen. (Quelle: imago images)

„‚Ted, melde dich doch mal‘, sagte ich immer, wenn ich ihm auf die Mailbox sprach. Aber: Nichts, einfach gar nichts kam von ihm zurück“, erklärt er mit belegter Stimme. Er habe noch Songs für Herold gehabt, die er ihm anbieten wollte. Der Produzent hatte Ideen für den Rock ’n‘ Roller, um ihm wieder zu mehr Präsenz zu verhelfen. „Aber keiner von uns hat je wieder ein Sterbenswörtchen von ihm gehört. Wir waren sprachlos.“ Mit „wir“ sind Dietrich, Ex-Manager Günter Sampt und Herbert Greite, der den offiziellen „Ted Herold Fanclub“ leitete, gemeint. 

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Über die Gründe könne er nur spekulieren. Er vermutet: „Vielleicht hatte er Angst vor der 80, so wie Udo Jürgens. Ted war ein Rocker durch und durch. Womöglich hat er sich für die Bühne zu alt gefühlt und wollte gar nicht mehr in der Öffentlichkeit stattfinden.“ Auch gesundheitlich sei er nicht mehr so fit gewesen, bekräftigt Ex-Manager Sampt. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Manuela habe er ein zurückgezogenes Leben im Süden Dortmunds geführt. Er sei stolz darauf gewesen, die Einliegerwohnung bei seinen Schwiegereltern selbst ausgebaut zu haben. „Sie waren ein tolles Paar, bis zuletzt“, so Dietrich. Finanziell hätten sich die beiden gut arrangiert.

Der Schock ob des plötzlichen Todes sitzt bei den ehemaligen Weggefährten dennoch tief. „Ich habe feuchte Augen und eine raue Stimme“, gewährt Dietrich einen Einblick in seine Gemütslage. Er habe Roland Kaiser, Andy Borg, Thomas Anders und vielen anderen Stars der Szene sofort geschrieben, als er von der schrecklichen Nachricht erfahren habe. „Alle haben gesagt: ‚Oh Gott, wie bitter.'“ 

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