Jürgen Drews über sein Karriereende: "Mir fehlt auch die Energie von früher"

  • Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen des Bühnenabschieds von Jürgen Drews.
  • Am Freitag erscheint das Album „Geil war’s… Danke Jürgen!“, am Samstag hat er bei Florian Silbereisen seinen letzten TV-Auftritt.
  • In einem Interview mit unserer Redaktion spricht der „König von Mallorca“ über die Gründe für sein Karriereende.

Herr Drews, auf Ihrem „Abschiedsalbum“ mit dem Titel „Geil war’s… Danke Jürgen!“ sind 24 Songs zu hören – interpretiert mit vielen Ihrer langjährigen Wegbegleiter. Wen werden Sie besonders vermissen?

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Jürgen Drews: Da gibt es so einige, die mir echt ans Herz gewachsen sind. Ich müsste jetzt eine lange Liste führen, um alle aufzuzählen, habe aber auch Angst einen Namen zu vergessen. Daher ist es mir lieber, keine Namen nennen zu müssen. Jede Veranstaltung mit Kollegen fühlte sich wie ein schönes Familientreffen an. Somit entstanden auch tolle Freundschaften.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre Karriere zurück?

Mit absolut positiven Gefühlen. Ich schaue auf spannende Jahrzehnte meines Lebens zurück und freue mich, diese Zeit in meinem Leben gehabt zu haben.

In den Shows von Florian Silbereisen waren Sie immer ein gern gesehener Gast. Den früheren Schlager mochten Sie nicht. Ist Silbereisen einer derjenigen, die Ihnen den Schlager wieder schmackhaft gemacht haben?

Nein. Dass ich den Schlager nicht mochte, ist schon viel länger her. Das war noch vor meinem Durchbruch mit „Ein Bett im Kornfeld“. Da war ich noch bei den Les Humphries Singers. Zu der Zeit war der Schlager aber noch altbackener, ich würde sagen: in der Entwicklungsphase. Daher war ich damals noch nicht so angetan, um es nett auszudrücken. Das änderte sich dann aber im Laufe der Jahre.

Silbereisen sagte kürzlich in einem Interview mit dem „Express“ über Sie: „Wenn Ramona da ist, ist Jürgen gefühlt zwei Köpfe größer und zehn Jahre jünger.“ Hat Ihr Kollege damit den Nagel auf den Kopf getroffen?

Ja, absolut! Ich brauche Ramona wie die Luft zum Atmen. Sie ist mein Lebenselixier und mein Fels in der Brandung.

Sie haben Ihrer Ehefrau den neuen Song „Bis ich nicht mehr atmen kann“ gewidmet. Können Sie in Worte fassen, wie dankbar Sie dafür sind, Ramona über den Weg gelaufen zu sein?

Ich danke dem lieben Gott jeden Tag dafür, dass ich Ramona getroffen habe. Ich könnte mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

Auch Ihre Tochter Joelina ist mit einem Duett („We’ve Got Tonight“) auf dem Album vertreten. Wie denkt Ihre Tochter heute über Ihre Schlager-Laufbahn und was trauen Sie ihr als Sängerin zu?

Das müssen Sie Joelina eigentlich selber fragen. Ich glaube, ihr ist bewusst, dass einem nichts in den Schoß fällt. Sie hat mitbekommen, dass dieser Job harte Arbeit bedeutet. Auf der Bühne zu stehen und für das Publikum Musik machen zu dürfen, ist ein unglaublich tolles Gefühl. Es ist aber auch ein Knochenjob. Ich traue Joelina alles zu. Sie hat großes Talent und das nötige Durchhaltevermögen.

Mit Howard Carpendale geben Sie „Es war alles am besten“ zum Besten. Sehen Sie das bis heute so oder gibt es Dinge, auf die Sie im Nachhinein gern verzichtet hätten?

Ich sehe es tatsächlich bis heute so. „Es war alles am besten“ hieß eines meiner Alben und mein Buch – und das nicht ohne Grund. Sicherlich gibt es Dinge, die ich rückblickend anders gemacht oder auch gern darauf verzichtet hätte. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, dafür aber aus Fehlern lernen. Und Tatsache ist: Ich hätte es nie gelernt, wenn ich keine Fehler gemacht hätte. Von daher ist meine Devise: „Es war alles am besten“.

Das Album-Cover zeigt viele Bilder Ihrer Karriere – häufig mit Musikinstrument in der Hand, fast immer mit ihrem spitzbübischen Lächeln. Wie sehen Sie sich selber am liebsten?

Ich bin und war immer ein positiver Mensch, habe schon immer gerne und viel gelacht. Das Leben ist schon ernst genug und somit sehe ich mich auf Fotos auch immer am liebsten lachend. Ich bin selbst erstaunt, wie viele Album-Cover ich schon gemacht habe. Das „Kornfeld“-Cover ist natürlich eines der wichtigsten Bilder in meiner Musiker-Laufbahn. Aber auch schon davor bei den Les Humphries Singers oder auch danach mit „Irgendwann, irgendwo, irgendwie“, „Wieder alles im Griff“, dem „König von Mallorca“ oder „Ich bau dir ein Schloss“ habe ich schöne und unvergessliche Etappen in bildlicher Erinnerung.

Was entgegnen Sie denjenigen, die sagen: „Ein König (… von Mallorca) dankt niemals ab“?

Alles hat seine Zeit!

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Werden Sie dennoch hin und wieder nach Mallorca reisen, um Urlaub zu machen oder Bekannte zu treffen?

Wir haben nach wie vor unser Haus auf Mallorca und werden daher auch hin und wieder der Insel einen Besuch abstatten.

Sie werden dieses Jahr 78 Jahre alt. Hätten Sie Ihre musikalische Laufbahn auch ohne die Erkrankung Polyneuropathie beendet?

Ich denke, ich hätte auch ohne die Polyneuropathie so langsam ans Aufhören gedacht. Mir fehlt ja leider auch die Energie von früher. Das gesamte Älterwerden bringt ja hier und da so manche Zipperlein mit sich.

Angesprochen auf Ihr bevorstehendes Karriereende, sagte Ihre Schlagerkollegin Mary Roos kürzlich in einem Interview mit unserer Redaktion: „Ich habe ihm tatsächlich häufig gesagt, dass er viel zu viel arbeitet und mehr auf seine Gesundheit achten sollte.“ Hatte Sie recht?

Ja, sie hatte absolut recht! Man hat nur ein Leben. Ich habe früher aber manchmal so viel gearbeitet, als ob ich zwei Leben hätte. Ich führte ein Leben auf der Überholspur. Irgendwann spürte ich auch, dass mir die Energie immer mehr abhandengekommen ist.

Wie geht es Ihnen heute mit dieser Nervenkrankheit? Wie sehr werden Sie von der Polyneuropathie im Alltag beeinflusst?

Ich habe glücklicherweise bisher nur eine leichte Form der Polyneuropathie, daher auch keine Einschränkungen im Alltag. Mein Gang ist zwar nicht mehr ganz so flüssig wie früher und ich bin nicht mehr so schnell, wie ich gern wäre, aber das ist auch eine Begleiterscheinung des Älterwerdens.

Ihre Fans wären sehr glücklich, wenn Sie weiterhin Einblicke über Ihre sozialen Netzwerke gewähren würden. Werden Sie ihnen diesen Wunsch erfüllen?

Wenn es was zu erzählen gibt, mache ich das nach wie vor sehr gern.

Apropos Wünsche: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft ganz besonders?

Ich wünsche mir ganz besonders, meine Gesundheit auf dem jetzigen Status zu halten und noch viele, viele schöne Jahre mit meiner Familie zu verbringen.

Ich bedanke mich für das Interview mit den Worten „Geil war’s… Danke Jürgen!“.

Sehr gerne! War mir ein Vergnügen.

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