"Zeig uns deine Stimme": Giermann droht Kandidaten "in die Fresse zu hauen"

Fake oder fantastico? Bluff oder Bombenröhre? RTL hat an seiner Musik-Comedyshow „I can see your Voice” gefeilt und daraus „Zeig uns deine Stimme“ geformt. Auch dort gilt es wieder zu erkennen, wer von den acht Kandidaten ein Goldkehlchen ist und wessen Stimmbänder eher Impfstellen aufspritzen lassen.

Eine KritikvonRobert Penz

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Und darum geht’s bei „Zeig uns deine Stimme“: Ein Zweier-Spielteam – im Falle der Premiere am Sonntagabend waren das Nico und Jonathan – muss mit Gespür, Institution und prominenter Hilfe unter insgesamt acht Kandidaten die Schwindler aufdecken. Und jetzt kommt’s: Ohne deren echte Stimmen zu hören, denn alle performen mit Vollplayback.

Nach jeder Runde muss das Rateteam einen Kandidaten eliminieren, von dem es denkt, er könne in Wahrheit null singen. Der Auserwählte hat dann auf der sogenannten „Bühne der Wahrheit“ zu performen und zu demonstrieren, was er so alles (nicht) draufhat.

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Moderiert werden die geplanten sechs Ausgaben prinzipiell immer von jemand anderem. Am Sonntagabend war Dschungel-Flüchtling Daniel Hartwich an der Reihe. Unterstützt wurde das Zweier-Rateteam Nico und Jonathan, privat ein Paar, von Moderatorin Chantal Janzen, den Comedians Max Giermann und Thomas Hermanns sowie den Sängerinnen und Schauspielerinnen Anna Loos und Yvonne Catterfeld unterstützt. Letztere musste am Ende der Sendung mit jenem Kandidaten, der übrigblieb, ein Duett zum Besten geben.

Wie gut singt ein Dessous-Verkäufer?

Da Nico und Jonathan nächstes Jahr heiraten wollen und eine große Hochzeitfeier planen, können sie die 2.500 Euro, die sich bei „Zeig mir deine Stimme“ pro Runde erspielen lassen, natürlich gut brauchen.

Was die Sache bei diesem Format etwas unübersichtlich macht: Es gibt das Rateteam, das um Geld spielt, die Promis, die das Rateteam unterstützen, sowie obendrein die Kandidaten, darunter eben musikalische Hochstapler und Gesangstalente. Und diese Kandidaten heißen in „Zeig uns deine Stimme“ nicht etwa Angela, Horst oder Harper-Leonie, sondern schon mal „Folklore-Tänzerin“, „Sportlehrer“, Dessous-Verkäufer“ oder „Speditionskauffrau“.

Rateteam und Promis versagen

Zunächst mussten alle acht Kandidaten eine Vollplayback-Performance hinlegen. Hierfür traten sie paarweise gegeneinander an. Nico und Jonathan nahmen in der ersten Runde gleich mal die „Speditionskauffrau“ – dunkle Hautfarbe, soulige „Eryka Baduh“-Optik und nette Bewegungen – aus dem Spiel. „Die ist einfach zu perfekt“, so das Rateteam, das der „Speditionskauffrau“ nicht auf den Leim gehen wollte.

„Ich hab mir noch nie so gewünscht, dass jemand nicht singen kann“, meinte Thomas Hermanns, der dem Rateteam zuvor empfohlen hatte, die „Speditionskauffrau“ zu eliminieren. Hermanns Wunsch ging nicht in Erfüllung. Auf der „Bühne der Wahrheit“ knallte die „Speditionskauffrau“ ein superbes „Pata“ von Miriam Makeba und ein feines „The Lions sleep tonight“ von „The Tokens“ hin. Auch dem „Sportlehrer“ trauten Rateteam und Promis wenig bis nichts zu. Er musste ebenso gehen, überraschte aber zuvor noch beim „Ed Sheeran“-Song „Happier“ mit einer exzellenten Singer-Songwriter-Schmusestimme. „Ich möchte mich persönlich entschuldigen“, so Giermann, der mit dem „Sportlehrer“ zuvor auch wenig anfangen hatte können.

Giermann macht kurz den Kinski

Erst beim letzten Duell konnte das Rateteam erstmals 2.500 Euro erspielen. Sie ließen das „Zimmermädchen“, das zuvor zu Rihannas „Love on the Brain“ die Lippen bewegt hatte, auf der „Bühne der Wahrheit“ antanzen, wo sie auch wunderbar versagte.

„Bravo! Zugabe!“, kommentierte Hermanns, der mit seiner Vermutung endlich mal ins Schwarze traf, die schiefen Töne der gelernten Hotelfachfrau. Im Spiel „3, 2, 1 Ton an“ durften Rateteam und Promis danach jeweils exakt 0,3 Sekunden lang die echten Stimmen der noch vier verbliebenen Kandidaten hören. „Das Spiel hilft mir so richtig“, kommentierte Hermanns ironisch die Runde, die in der Tat völlig überflüssig war, da man aus 0,3 Sekunden so rein gar nichts schließen konnte. „Macht schneller“, meinte indes jemand auf Twitter, der auch schon leicht genervt war.

Auf Anraten der Promis nahm das Rateteam schließlich den „Eiskunstläufer“ aus dem Spiel. Und endlich gab Giermann den Kinski: „Wenn du singen kannst, hau ich dir in deine Fresse, du dumme Sau!“ – und hoffte auf Geld für Niko und Jonathan.

Bewundernswert schlechte Stimme

In der dritten Runde „Vollplayback – welche Stimme ist die echte“ gab es innerhalb jeder Performance eine gute und eine schlechte Stimme zu hören, wobei die verbliebenen Kandidaten erneut nur die Lippen bewegten und lediglich eine der beiden Stimmen die reale war.

„Er macht das wirklich perfekt mit der guten Stimme. Aber die andere, die schlechte, ist seine echte“, mutmaßte Catterfeld über den „Dessous-Verkäufer“, um aber gleich wieder zurückzurudern: Der 0,3-Sekunden-Ausschnitt eine Stunde zuvor sei ja sehr tief gewesen, die aktuelle Fake-Stimme aber nicht, konstatierte sie jetzt.

Als Zuseher war man jedenfalls immer froh, wenn jemand auf die „Bühne der Wahrheit“ musste, fand da doch das mitunter langwierige Herumspekulieren von Promis und Rateteam endlich ein Ende. Die „Folklore-Tänzerin“ war es nun, die endlich ihre reale Stimme zu präsentieren hatte. Kurz nachdem sie mit dem Song, den man nicht erkannte, losgelegt hatte, spritzen im Umkreis von 50 Metern bereits sämtliche Impfstellen auf. „Ich find‘ bewundernswert, wie schlecht deine Stimme ist“, bekam sie von Chantal Janzen ein großes Lob.

BH-Auskenner im Kreuzverhör

Zugegeben: Dass die Schwindler auf der „Bühne der Wahrheit“ so falsch wie möglich sangen, unterhielt einen auch nur beim allerersten Mal. „Dieses gekreischte schlechte Singen nervt. Warum können die nicht einfach normal nicht singen können. Das ist doch erst recht wieder ein Fake“, äußerte sich auch jemand auf Twitter dazu.

In der letzten „Aussieb-Runde“ des Abends mussten jedenfalls die zwei verbliebenen Kandidaten – der „Dessous-Verkäufer“ und der „Vermögensberater“ – ein wenig von sich erzählen. Giermann nahm den „Dessous-Verkäufer“ ins Kreuzverhör und löcherte ihn mit Fragen wie „Wie viele Oktaven umfasst deine Stimme?“ oder „Wie hieß dein Klavierlehrer?“, die der Glatzkopf glaubwürdig beantwortete. Das Rateteam schmiss daher den „Vermögensberater“ raus, dessen Version des „James Bond“-Tracks „Golden Eye“ ihm dann auch weitere 2.500 Euro bescherte.

Janzen: „Wer braucht denn eine Hochzeit?“

Das Rateteam stand kurz vor Schluss bei 10.000 Euro, die es sicher mit heimnehmen oder auch setzen konnte. Und zwar auf den „Dessous-Verkäufer“, der sich hinter der Bühne bereits auf ein Duett mit Yvonne Catterfeld vorbereitete und dessen Skills am Mikro zu diesem Zeitpunkt ja immer noch nicht bekannt waren. Aus 10.000 Euro hätten Niko und Jonathan, die hinter dem Busenhalter-Experten einen echten Sänger wähnten, 25.000 Euro machen können.

Aber sie gingen auf Nummer sicher. „Die Liebe ist da, wer braucht denn eine Hochzeit?“, versuchte Janzen die beiden noch zu motivieren, ins Risiko zu gehen.

Am Ende weder Fisch noch Fleisch

Dann aber wurde Tacheles gesungen. Catterfeld eröffnete den „Dua Lipa“-Song „Don’t start now“ natürlich hochprofessionell und absolut am Punkt. Alles wartete nun auf den Part des Kandidaten.

Das Ergebnis? Ernüchternd. Zwar wurde nach den ersten gesungenen Worten des „Dessous-Verkäufers“ applaudiert, aber gut? Gut war dessen Darbietung keineswegs. Die „Modedesign-Studentin“ und der „Sportlehrer“, die schon vor gefühlt vier Stunden ausgeschieden waren, konnten da schon auf andere Qualitäten zurückgreifen. „Er ist ein Supersänger“, stieß Daniel Hartwich am Ende des Abends noch sicherheitshalber aus, damit die Leute vor den TV-Geräten nicht mehr allzu viel darüber nachdenken mussten. „Na dann ist er halt ein Supersänger, die dumme Sau“, hätte Kinski vermutlich gesagt.

„Zeig uns Deine Stimme“, immer sonntags, 20:15 Uhr bei RTL

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