Warum "Besonders verliebt" eine wirklich außergewöhnliche Dating-Show ist

„Besonders verliebt“ begleitet Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen bei der Partnersuche. Das ist unerwartet einfühlsam und warmherzig.

Eine Kritikvon Felix Reek

Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Datingshows im Fernsehen laufen auf zwei Arten ab: Entweder versammelt sich eine Schar Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizitsysdrom, um ihre Social-Media-Kanäle ohne Rücksicht auf peinliche Ausfälle anzukurbeln. Oder ein Fernsehteam begleitet Menschen, die offensichtlich keine Ahnung haben, worauf sie sich eingelassen haben. Es aber sehr bald herausfinden werden, wenn die fertige Folge ausgestrahlt wird.

Unter diesen Gesichtspunkten ist es umso heikler, wenn sich ein neues Format dezidiert der Partnersuche von Menschen mit Beeinträchtigungen widmet. „Besonders verliebt“ begleitet in mehreren Folgen Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen auf der Suche nach einer Partnerin oder einem Partner.

Es darf schon jetzt verraten werden: Es gelingt der VOX-Show, ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer so warmherzig zu porträtieren, wie sie es verdienen.

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„Besonders verliebt“: Samiras Mann soll größer sein

Da wäre zum Beispiel Samira, 22, die gerade in ihre erste eigene Wohnung gezogen ist. Ihr fehlen nur noch ein paar Möbel – und ein Mann, sagt sie selbst. Der soll möglichst größer sein als sie. „Aber das ist ja auch leicht hinzubekommen.“ Sie ist kleinwüchsig und nur 1,30 Meter groß. Schüchtern ist sie auf jeden Fall nicht. Sie dreht für ihren TikTok-Kanal Videos und erreicht aktuell 146.000 Follower (Stand: 12. Oktober). Ein Date hatte sie aber schon lange nicht mehr.

So wie viele der Teilnehmer von „Besonders verliebt“. Tobias, 24, hat noch nie eine Frau geküsst. Er wurde mit dem seltenen Carpenter-Syndrom geboren, das zu Verformungen an Händen und Kopf führt. Seine Lebenserwartung wurde auf ein Jahr geschätzt.

Mit dem Ansprechen von Frauen habe er keine Probleme, sagt er. Nur mit einer Beziehung hat es noch nicht geklappt. Also übernimmt das „Handicap Love“, eine Dating-Plattform, die Menschen wie ihm helfen will.

Lange dauert es auch nicht, bis sich jemand meldet. Jessica, die ein verringertes Gefühl in ihren Beinen hat und eine Gehhilfe benötigt. Die ist sofort begeistert. „Ist klasse, direkt in den ersten Minuten“, verkündet sie. Ihr Gegenüber versucht, cool zu bleiben: „Bei mir wird’s nie langweilig“, erklärt er selbstsicher, obwohl er gar nicht so wirkt. Nach einer Weile gibt er zu, dass das hier sein erstes Date ist. Jessica entgegnet: „Dafür schlägst du dich gut“ – sie grinst. Und als Zuschauer grinst man einfach mit.

Eine Dating-Show, die echt wirkt

Denn im Gegensatz zum Einerlei an Dating-Shows im deutschen Fernsehen wirkt das, was hier zu sehen ist, echt. Die Gefühle, die Anspannung, aber auch diese peinlichen Momente in Dates, wenn es nicht passt.

Bei Samira ist das beispielsweise so. Das Unheil kündigt sich in Gestalt ihrer Mutter an, die beim Eintrudeln des ersten Bildes von Hans, so der Name des Dates, kaum Druck aufbaut: „Dass er trainiert, sieht man. Kann er dich also über die Schwelle tragen.“ Samira kontert mit der passenden Antwort: „Ich kann laufen.“

Als hätte dieser kurze Dialog es schon vorausahnen können, läuft das Date eher schleppend. Es fallen die Sätze, die Rendezvous markieren, bei denen keine wirkliche Verbindung entsteht: „Bist du öfter hier?“, gefolgt von „Und sonst so?“. Am Schluss fragt Samira sogar noch: „Und wo siehst du dich in zehn Jahren?“

Da ist der gehörlose Igor schon direkter. Nach Date eins küsst er Friseur Frank, beim zweiten Mal fragt er ihn, ob er beim Sex eigentlich lieber der aktive oder passive Part sei. Mirjam, die ihre Spastiker-Erkrankung nicht davon abhält, im Behinderten-Schwimmsport eine Medaille nach der anderen zu gewinnen, springt mit ihrem Date Kevin lieber Trampolin und konstatiert: „Es war nett.“

„Besonders verliebt“: Ein Paar in Folge eins

Ernster wird es in der ersten Folge von „Besonders verliebt“ nur bei Jessica und Tobias. Nach ein paar Wochen treffen sich die beiden noch einmal mit Kameras. Wie es denn jetzt mit ihnen weitergeht, will sie wissen. Er druckst herum, man könne ja mal „zusammen Tage verbringen, aber auch abends“, „sowas, was mit Liebe zu tun hat“.

Der Redakteur der Sendung gibt aus dem Off Schützenhilfe: „Habt ihr euch schon ein wenig verknallt?“, fragt er. Jessica antwortet: „Schon beim ersten Mal!“ – und wird knallrot im Gesicht. Tobias bleibt wie immer cool. „Schon ein gutes Gefühl“, sagt er. Die Freude ist ihm anzusehen.

Die Sendung verrät noch, dass sie mittlerweile ein Paar sind. Im Gegensatz zu allen anderen Datingshows nimmt man es dieser tatsächlich ab.

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