‘The Booksellers – Aus Liebe zum Buch’: Bibliophilie oder schon Wahnsinn?

Was macht mehr an, der Duft von Chanel oder der eines frisch gedruckten Buches? Für einen passionierten Leser gibt es da nur eine Antwort.

Charmante Doku begleitet von sanftem Jazz

Die Kassandrarufe über den Untergang des Buchs erschallen seit Jahren. Glotzen wirklich die meisten nur noch ins Internet oder halten sich Kindle vor die Nase, die eBooks? Die Angst vor dem Verlust des geschriebenen Wortes geht jedenfalls um.

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Begleitet von sanften Jazzklängen lässt D.W. Youngs charmanter Dokumentarfilm die Hoffnung aufblitzen, dass es Antiquariate und Buchhandlungen, mit Büchern vollgestopfte Wohnungen auch weiterhin geben wird, wenn sicher auch in verringerter Zahl.

Skurrile Typen tummeln sich da wie in einem Raumschiff

Der Fokus des Films liegt auf Händlern und Sammlern, die sich immer auf der New Yorker Buchmesse wie in einer Geheimloge treffen und so schon sehen, was andere noch nicht sehen, wie es mal stolz heißt.

Sie sind wie eine große Familie – verbunden durch die Liebe zum Gedruckten und zur Exzentrik. Da tummeln sich die skurrilsten Typen wie in einem Raumschiff, erzählen verrückte Geschichten und stellen klar, das Büchersammeln könne man nicht lernen, das stecke in den Genen. Ein Oldie spricht wohl für viele seiner Kombattanten: “Das einzige, was ich bedauere, sind die Bücher, die ich nie gekauft habe.”

In die Altherrenriege mischen sich Frauen und Millenials

Die nicht ganz taufrischen Herren, vorzugsweise in Tweed oder Cord gewandet, reden von Folianten wie von ihren Geliebten, den Sammlern geht es um die manchmal jahrelange Jagd nach einer Erstausgabe, das Erobern eines seltenen Exemplars, mehr Artefakt als Gebrauchsgegenstand.

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Einer hortet gar 300.000 Exemplare in drei Hallen, ein anderer kann sich nur mit Mühe und Not durch die mit Wälzern bestückte Wohnung schlängeln, würde sich aber nur schwer von einem Stück trennen. Weibliche Konkurrenz wurde lange belächelt und nicht ernst genommen. Aber inzwischen mischen Frauen wie die Schwestern Adina Cohen, Naomi Hample und Judith Lowry, die den Argosy Book Store weiterführen, kräftig mit, wenn auch noch in der Minderzahl.

Das pittoreske New York der Bibliophilen ist im Umbruch

Männlein wie Weiblein stammen oft aus Familien, die schon seit Generationen im Buchgeschäft arbeiten und schon beim Geruch alter Bücher selig die Augen verdrehen. Und es gibt nichts, was es nicht gibt – wie ein Werk in Echsenleder oder ein mit Perlen und Juwelen verziertes.

Beim Betreten der verkruschelten Läden landet man in einer anderen Welt, und möchte sich am liebsten mit durch die Regale wühlen. Das pittoreske New York der Bibliophilen ist aber im Umbruch, manche Geschäfte müssen (nicht zuletzt wegen immer höherer Mieten) aufgeben, andere halten die Stellung.

Die sukzessive Wandlung belegen auch die Auktionen, boten früher Interessenten gemeinsam im Saal, sind es heute die Telefonbieter, die zu horrenden Preisen absahnen. So ersteigerte Bill Gates den von Leonardo da Vinci verfassten “Codex Leicester” im Original mit wissenschaftlichen Schriften, Notizen, Skizzen und Zeichnungen bereits 1994 für rund 30 Millionen Dollar.

Die Preise in den Läden gehen dagegen nicht durch die Decke, sondern runter. Trotz neuer Technologien bleiben Bücher wichtig, eine junge und hippe Leserschaft blättert inzwischen mit Lust durch die Seiten, genießt den haptischen Kontakt, engagierte Millenials blasen den Staub weg und locken eine neue Klientel an. Ob das nur eine Mode ist, bliebt abzuwarten. Die Geschichte des Buches ist jedenfalls noch nicht zu Ende. Totgesagte leben länger.

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