Schönheitsoperationen bei Männern: Diese skurrilen Anfragen lehnte Prof. Werner Mang ab

  • Hier ein Lifting, da eine Fettabsaugung: Immer mehr Männer vertrauen auf die Künste von Schönheitschirurgen wie Prof. Werner Mang.
  • Die Zahl männlicher Patienten nimmt zu – und so manche Anfrage lässt selbst den erfahrenen Mediziner staunen.
  • Im Interview mit unserer Redaktion erklärt Prof. Mang, was Männer am häufigsten machen lassen, was er unter Schönheitswahn versteht und welche skurrilen OP-Wünsche er ablehnt.

Herr Prof. Mang, was war die letzte Schönheits-OP, die Sie an einem Mann vorgenommen haben?

Prof. Werner Mang: Die letzte Schönheitsoperation bei einem prominenten Mann habe ich bei Nino de Angelo durchgeführt. Wir haben ihn mit einer Power-Infusion und mit einer Faltenunterspritzung fit gemacht für seine Tour.

Und welche Operationen haben Sie heute schon durchgeführt?

Mein OP-Tag sieht folgendermaßen aus: Ich stehe um halb sieben auf, trinke eine große Tasse Pfefferminztee mit einer ganzen Zitrone, esse eine Banane und dann fahre ich in die Klinik und mache jeden Tag um Punkt acht Uhr eine Nase. Auch heute hatte ich als Erstes eine Nase, die eines Boxers, der mit dem Sport aufhörte und eine Sattelnase/Schiefnase und Atembeschwerden hatte. Danach folgte eine weitere Nase einer Dame mit einer sogenannten Höcker-/Langnase. Die dritte Operation war eine Haartransplantation, etwas, das gerade bei Männern sehr zunimmt. Zum Schluss hatte ich noch ein Facelift bei einer älteren Frau. Aktuell führt mein Team noch eine Fettabsaugung bei einem Mann durch, der eine junge Freundin hat und seinen Hüft- und Bauchspeck loswerden will, was er mit Training allein nicht schafft.

Kommen in den vergangenen Jahren mehr Männer zu Ihnen?

Absolut. Wir haben in unserer Internationalen Gesellschaft für ästhetische Medizin (IGÄM e.V.) eine Untersuchung gemacht, bei der man festgestellt hat, dass 1990 der Anteil von Männern an Schönheits- und plastischen Operationen etwa drei bis vier Prozent ausmachte. Im Jahr 2009 waren es zehn Prozent. 2010 bereits 15 bis 16 Prozent und heute haben wir einen Anteil von über 20 Prozent. Das heißt, jeder vierte Patient, der eine plastisch-rekonstruktive-OP hat, ist heute ein Mann. Es sind nicht alles reine Schönheitsoperationen, sondern auch medizinisch notwendige Eingriffe. Wenn jemand beispielsweise 50 Kilo abgenommen hat, so wie Reiner Calmund, dann muss man nach etwa einem Jahr die überschüssige Haut straffen.

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Was sind die Gründe für diese Zunahme?

Die Männer machen es aus zwei Gründen. Zum einen, weil der Mann eine jüngere Frau oder Freundin hat und deshalb eine gute Figur haben will oder seine Schlupflider entfernt haben will. Der andere wichtige Grund ist das Berufsleben. Die Männer sind heute mit 60 so fit wie ein 40-Jähriger. Man hat festgestellt, dass Männer, die gepflegt aussehen, keine Schlupflider, Tränensäcke oder Bierbäuche, dafür Haare auf dem Kopf haben, in höhere Positionen kommen als ungepflegte Männer. Der Trend ist, dass wir Männern zwischen 60 und 70 Jahren, die voll im Beruf stehen, Schlupflider, Tränensäcke und Facelifts machen.

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Was wollen die Männer am häufigsten operieren lassen?

Die reinen Schönheitsoperationen wie Botox, Hyaluronsäure, Mini-Liftings und so weiter machen etwa ein Drittel unserer Operationen aus. Die häufigsten Operationen beim Mann sind Fettabsaugung, Schlupflider/Tränensäcke, Nase, Haartransplantation und das Facelift. In dieser Reihenfolge.

Bei Frauen steht die Brustchirurgie immer noch an erster Stelle, gefolgt von der Fettabsaugung, Bauch- und Gesichtsoperationen. Bei den Männern beobachte ich eine steigende Tendenz, wobei ich sagen muss, die Männer sind viel wehleidiger und die Frauen viel robuster. Ich nehme mich da im Übrigen nicht aus. Solange ich mich wohlfühle, lasse ich keine plastische Operation machen. Aber ich schließe es nicht aus und ich würde es offen sagen, denn es ist immer noch ein großes Tabuthema.

„Seelenheil mit dem Skalpell ist ein wichtiger Punkt“

Warum sind Schönheitsoperationen so ein Tabu?

Brad Pitt lässt sich in der Mittagspause Botox spritzen und Michael Douglas geht nach seinem Facelift auf eine Party und die Fäden hängen seitlich noch raus. Warum das in Deutschland so ein Tabu ist, weiß ich nicht. Ich denke, es wird in unserer Gesellschaft nach wie vor so gesehen, dass man nicht in die Natur eingreifen sollte. Ich sehe die Schönheitschirurgie wie das Internet: Man darf es nicht abschaffen, man muss sich seriös damit auseinandersetzen, es kontrollieren und es gibt viele guten Seiten, aber auch Schattenseiten. Auch die Presse behaftet Schönheitsoperationen mit einem Tabu, weil es dann erst interessant ist. Würde jeder seine OPs offen zugeben, wäre es nicht mehr so interessant. Wir haben auf plastische Operationen fast ein Jahr Wartezeit. Trotz Corona, Rezession und Inflation boomt die Schönheitschirurgie.

Wie alt sind die Männer, die zu Ihnen kommen, in der Regel?

Es gibt zwei Wellen. Die einen sind zwischen 18 bis 30 Jahren. Diese Patienten wollen hauptsächlich Nasenoperationen und Haartransplantationen. Die anderen sind zwischen Mitte 40 bis 70 Jahre. Dabei handelt es sich meist um Fettabsaugungen, Schlupflider/Tränensäcke und Facelift. Das ist die sogenannte Alterschirurgie, die jungen Patienten haben oft einen großen psychischen Leidfaktor. Wenn ein Junge eine Höcker-/Langnase und ein fliehendes Kinn hat, muss man das heutzutage nicht aussitzen, sondern wir können das durch eine überschaubare und sichere Operation beseitigen. Wenn junge Männer unter Haarausfall leiden, kann man sehr elegant eine Einzelhaartransplantation durchführen. Oder, man macht nach einer Gewichtsabnahme eine Liposuktion. Solche Indikationen sind auch medizinisch notwendig: Leidet jemand unter seiner Höcker-/Langnase, kann man den durch eine einfache OP glücklich machen. Seelenheil mit dem Skalpell ist ein wichtiger Punkt.

Manchmal ist es aber eindeutig zu viel des Guten.

Plastisch-ästhetische Chirurgie ist ein wichtiges Fachgebiet in unserer Gesellschaft, aber es hat nach wie vor einen negativen Beigeschmack, vor allem, wenn man die Botox-Gesichter sieht oder übertrieben operierte Promis. Bei Männern kenne ich – bis auf Mickey Rourke – lauter ordentliche Ergebnisse, wie das Facelift von Michael Douglas. Da sehen wir diese übertriebenen Operationen nicht, im Gegensatz zu den Frauen. Influencerinnen mit aufgespritzten Lippen, die den jungen Mädchen suggerieren: Wenn ihr euch so herrichten lasst, werdet ihr erfolgreich. Bei Männern ist der Schönheitswahn nicht so ausgeprägt.

„Das lehne ich ab, weil das medizinisch nicht vertretbar ist“

Ihr Credo lautet: „Vernünftige Schönheitschirurgie ja, Schönheitswahn nein“. Ist das also dieser Schönheitswahn, den Sie damit meinen?

Natürlich. Durch soziale Medien werden auch Monster erschaffen. Wie die Jugend durch beispielsweise TikTok beeinflusst wird, ist bemerkenswert. Untersuchungen unserer Gesellschaft IGÄM e.V. haben ergeben, dass Buben zwischen 14 und 16 Jahren fast 15 Prozent mehr unzufrieden mit ihrem Aussehen sind. Bei Mädchen ist es fast das Doppelte. Das ist eine schwierige Entwicklung.

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Weil wir gerade von sehr jungen Menschen sprechen: Operieren Sie auch Teenager?

Ich bin ein Pionier der Schönheitschirurgie und sage immer wieder, dass nicht vor dem 18. Lebensjahr operiert werden soll und darf, denn die Eltern müssen ja einverstanden sein. Leidet jemand unter seiner Höcker-/Langnase, kann man ab 16 Jahren unter medizinischen Gesichtspunkten operieren. Aber reine Schönheitsoperationen nicht vor 18 Jahren und vielen Jugendlichen sage ich: Mach‘ deine Schule, treib‘ Sport und komm‘ wieder, wenn du volljährig bist und dich immer noch nicht wohlfühlst. Teenageroperationen sollten nur bei strenger medizinischer Indikation durchgeführt werden. Ich hatte auch schon 12-, 13-jährige Buben bei mir sitzen, die aussehen wollten wie ihre Vorbilder. Die schicke ich weg. Leider schaffen sie es manchmal, die Eltern so zu bearbeiten, dass sie woanders hingehen und einen sogenannten Schönheitschirurgen finden, der das macht.

Gibt es Wünsche nach Operationen bei Männern, die Sie nicht durchführen würden?

Ich erinnere mich an einen Patienten aus Graz, der sich Brustimplantate einsetzen lassen wollte, um eine Muskulatur wie Arnold Schwarzenegger zu haben. Dem sagte ich, er soll sich einen Jogginganzug kaufen und sich im Studio quälen. Vor einigen Wochen war ein 36-Jähriger da, der ein Bild von Ronaldo mit blankem Oberkörper dabeihatte und Silikonimplantate für ein Sixpack wollte. Das lehne ich ab, weil das medizinisch nicht vertretbar ist. Die Implantate können verrutschen und Entzündungen verursachen. Das skurrilste war ein Italiener, der sich für das Oktoberfest in München Wadenimplantate einsetzen lassen wollte, weil er „bayerische Hax’n“ haben wollte. Dem habe ich geraten, die Socken auszustopfen, das ist günstiger. Immer wieder ist man mit sehr ausgefallenen Wünschen konfrontiert, die ein negatives Licht auf die ästhetisch-plastische Chirurgie werfen.

Ab wann sagen Sie: Das ist jetzt einfach zu viel an OPs?

Es gibt Menschen mit einem sogenannten Dysmorphophobie-Syndrom. Diese Leute sehen gut aus und versuchen trotzdem durch Operationen, ihr Aussehen zu optimieren, obwohl das gar nicht möglich ist. Und es gibt Patienten, die süchtig nach OPs sind: Die lassen verschiedenste Operationen in kurzer Zeit machen.

Ein Facelifting sollte man beim Mann nicht vor Mitte 40 beginnen und dann maximal noch einmal Mitte 60 machen. Wenn man zu viel operiert, sieht man maskenhaft aus. Die Philosophie der Schönheitschirurgie ist, dass man jung, vital, gut aussehen sollte, aber nicht operiert. Diese unnatürlichen Ergebnisse resultieren aus zu vielen OPs in kurzen Abständen. Die deutsche, österreichische und schweizerische Bevölkerung will eine natürliche Schönheitschirurgie, russische oder amerikanische Patienten wollen lieber Barbiepuppen-Nasen, Mega-Brüste und alles glattgebügelt.

Ich habe auch Kliniken in Russland, Dubai, Shanghai betreut und bin dort zu schwierigen Operationen gerufen wurde. Das ist das Schönste, dass ich mit meinen Händen und meinem Köfferchen überall in der Welt auch Unfälle oder Missbildungen operieren kann. Auch das gehört zu dem Fachgebiet.

„Männer haben realistischere Vorstellungen als Frauen“

Welche sind die prominenten Schönheitsvorbilder bei Männern?

Ich versuche den Männern, Justin Bieber, Wincent Weiss oder sonstige Influencer als Ideal auszureden. Untersuchungen an einer Pariser Universität haben gezeigt, dass im Bereich der Nase Grace Kelly die Idealmaße hat und bei den Männern George Clooney. Ich versuche, die Nase ans Gesicht anzupassen und nicht Nasen von irgendwelchen Bildern den Männern ins Gesicht zu operieren. Über 90 Prozent der Männer haben ganz vernünftige Vorstellungen und lassen sich vom Internet nicht so leiten wie Frauen. Das ist auffällig.

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Gibt es weitere Unterschiede zwischen Ihren männlichen und weiblichen Patienten hinsichtlich der Wünsche?

Männer haben realistischere Vorstellungen als Frauen. Gerade in der Alterschirurgie: Diese Patienten wollen ihre Schlupflider oder Tränensäcke oder ihr Doppelkinn nicht haben. Das sind klare Wünsche. Jüngere Patienten wollen wie gesagt am häufigsten Haartransplantationen und Nasenoperationen, aber da bringt keiner irgendwelche Haare von Influencern mit. Diesen Trend sehen wir bei Männern nicht, bei Frauen hingegen ist er sehr ausgeprägt.

Schönheitsoperationen sind keine billige Angelegenheit: Was halten Sie davon, Eingriffe im Ausland vornehmen zu lassen?

Ich warne vor Billigoperationen und vor OP-Tourismus. Nicht, weil die Ärzte dort schlechter sind, sondern weil an allen Enden an der Sicherheit gespart wird: oft kein Aufenthalt, keine hochwertigen Implantate, keine Fachanästhesie. Wir sehen, dass Operationen im Ausland schiefgegangen sind und die Nachoperationen doppelt so teuer sind. Man kann keine Nase für 2.000 Euro operieren, allein schon aufgrund der Sicherheit. Wenn man eine OP im Ausland machen lassen will, dann in einer autorisierten Klinik mit Fachanästhesie, mit einem Facharzt für plastische-ästhetische Chirurgie oder, wie ich, Facharzt für HNO und plastische Operationen – den Facharzt für plastische Chirurgie gibt es erst seit 1992. Gesundheit vor Schönheit ist mein nächstes Motto.

Ich halte auch den OP-Tourismus im Bereich der Zähne für sehr problematisch, das wird beworben in Tschechien, Ungarn und den baltischen Ländern. Das Problem ist, wenn etwas passiert, hat man in Deutschland eine Rückendeckung, weil jeder Arzt versichert ist und dafür aufkommen muss, wenn ein Schaden entsteht. Wir hatten schon viele Patienten, die nach Billig-OPs sehr enttäuscht waren und wir Reparaturoperationen durchführen mussten. Zwar sind auch bei uns in der Bodenseeklinik ein bis drei Prozent der Menschen unzufrieden, aber nicht, weil etwas Gravierendes passiert wäre oder es gesundheitliche Schäden gegeben hätte, sondern weil sich die Leute was anderes vorgestellt haben oder es zu Narbenbildung gekommen ist. Manche Menschen sind dann aber psychisch so angegriffen, dass sie ihr ganzes Unheil mit dem Operateur verbinden und das ist die Schattenseite des Berufes.

Würden Sie sagen, die Pandemie hatte einen Einfluss auf die Wünsche der männlichen Patienten?

Ja, einen großen Einfluss. Die kleinen Operationen „To-Go“ haben massiv zugenommen: Mini-Liftings, Lasertherapien, Collagen, Botox, Hyaluronsäure, Lippen aufspritzen.

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