"Grenzgänger zwischen Ost und West": ZDF-Doku über Gregor Gysi

Bejubelt und bekämpft – kaum ein Politiker polarisiert so sehr wie Gregor Gysi. Er machte eine außergewöhnliche deutsche Politkarriere, die in der DDR begann und bis heute andauert. Die ZDFzeit-Dokumentation “Mensch Gysi! Grenzgänger zwischen Ost und West” am Dienstag, 28. Juni 2022, 20.15 Uhr, liefert ein Porträt des eloquenten Kommunisten, dessen Karriere gleichzeitig eine Geschichte Deutschlands seit 1989 ist. In der ZDFmediathek ist der Film von Christian Bock am Sendetag ab 12.00 Uhr zwei Jahre lang verfügbar.

“Ich spreche eigentlich frei. Ich hab’s mir diesmal aufgeschrieben, damit ich auch danach noch weiß, was ich gesagt habe.” Mit diesem typischen Gysi-Spruch startete auf dem Berliner Alexanderplatz im November 1989 eine der erstaunlichsten deutschen Karrieren. Ein bis dahin unbekannter ostdeutscher Anwalt begeistert die Massen, wird letzter Vorsitzender der Regierungspartei SED. Und wird seitdem entweder angefeindet oder geliebt, dazwischen ist wenig.

In der “ZDFzeit”-Dokumentation berichtet Wolfgang Schäuble darüber, was er und Helmut Kohl Gysi 1989 im Geheimen erzählt haben. Und Berlins Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit erklärt, weshalb Gysi 2002 wirklich als Bau-Senator zurückgetreten ist.

Das Rampenlicht und die Medien prägen Gysis Leben. Kein Talk, in dem Gysi nicht schon geladen war. Der 1948 in Berlin geborene Sohn eines DDR-Kulturministers ist auch privat redegewandt und scharfsinnig und der letzte “linke” Politstar mit DDR-Vergangenheit. Und es ist zumindest umstritten, wie weit seine Verstrickungen in das Regime reichten.

Seit Anfang 2022 muss sich der einstmals klar russlandfreundliche außenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag neu erfinden. Er bricht mit vielen Idealen seiner Partei schneller und radikaler als andere. Er bereist ohne Personenschutz die Ukraine und muss sich als “Tourist” kritisieren lassen. Er sieht die Kriegsschäden mit eigenen Augen und verweigert doch unbegrenzte Waffenlieferungen aus Deutschland.

Foto: (c) ZDF / Christian Bock

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