Corona & Urlaub: Was darf ich? Was ist sicher? Der Faktencheck mit RTL-Reiseexperte Ralf Benkö

RTL-Reiseexperte Ralf Benkö beantwortet die wichtigsten Fragen

Nach dem Appell von Kanzlerin Angela Merkel zur Corona-Krise sind sich viele Bürger unschlüssig, was die eindringliche Botschaft für ihre Reisepläne konkret bedeutet. Handelt es sich bei dem Appell um ein Reiseverbot oder eine Reisewarnung? Wie sicher ist der Urlaub in Risikogebieten und was passiert mit den Reiserückkehrern? RTL-Reiseexperte Ralf Benkö hat den Corona-Reise-Faktencheck gemacht und die wichtigsten Fragen beantwortet.

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Darf ich jetzt noch fliegen?

Ja, natürlich darf man noch reisen und auch Flugreisen unternehmen. Man sollte sich nur vorher darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen das haben kann, damit man später zum Beispiel von einer Quarantäne nicht überrascht wird. Sehr gut überlegen sollte man sich, ob man jetzt noch einen Urlaub für ein Risikogebiet bucht. Denn nach dem Appell der Bundesregierung, das zu unterlassen, ist es absehbar, dass dies bald mit noch strengeren, empfindlicheren Auflagen verbunden sein wird.

Deshalb wird es auch immer wichtiger, beim Buchen eine Pauschalreise zu wählen. Denn sollte mein Ziel vor Reiseantritt dann zum Risikogebiet erklärt werden, müsste mich mein Veranstalter nach derzeitiger Rechtslage kostenfrei stornieren lassen. In der Regel wird dann auch eine Reisewarnung ausgesprochen. Sollte ich eine solche Reise in ein Risikogebiet dennoch antreten, würde mir bei einer späteren Quarantäne in Deutschland vielleicht keine Entschädigung für einen Einkommensausfall mehr gezahlt werden. Die Regierung hat erklärt, diesbezüglich Gesetze kurzfristig, bundeseinheitlich zu ändern. Noch einmal zusammengefasst: ein Reiseverbot ist das alles nicht. Aber jeder Urlauber sollte sich seiner Verantwortung beim Buchen nun sehr bewusst sein und mögliche Folgen kennen.

Ist Fliegen denn jetzt sicher oder unsicher?

Nach wie vor ist das Corona-Sicherheitsniveau beim Fliegen verschiedenen Tests nach einigermaßen akzeptabel, wenn alle Vorschriften eingehalten werden – vor allem was das Maskentragen betrifft, aber auch die Belüftung der Kabine. Der europäischen Agentur für Flugsicherheit nach sollte man darauf achten, an Bord eher medizinische Masken zu tragen, weil diese angesichts der geringen Sitzabstände einen wirksameren Schutz bieten als Alltagsmasken. Es kann helfen, an Bord die Luftdüse über dem Kopf zu aktivieren und das Essen und Trinken an Bord einzuschränken, weil man für diese Zeit die Maske abnehmen muss. Wenn man auf solche Dinge aktiv achtet, wie auch Händedesinfektion und Abstandhalten im Terminal und beim Boarding, kann man das Corona-Risiko auf Flügen vermutlich recht gering halten. Trifft man mit vielen Menschen zusammen, wird ein gewisses Ansteckungs-Risiko allerdings nicht auszuschließen sein.

Muss ich mir eine Reisebuchung vom Arbeitgeber absegnen lassen?

Ich würde sehr dazu raten, die Reisebuchung vorher mit dem Arbeitgeber abzustimmen. Denn in vielen Betrieben gibt es für Reiserückkehrer mittlerweile bestimmte Regeln. Vor allem absehbare Quarantänezeiten müssten mit einkalkuliert werden.

Ist die Gefahr im Urlaub wirklich größer, mich mit dem Coronavirus zu infizieren?

Da gehen die Meinungen derzeit auseinander. Die Bundesregierung und die Bundesländer sehen hier derzeit ein Risiko, sonst würden sie diese neuen Auflagen nicht auf den Weg bringen. Auf der anderen Seite kritisiert die Tourismusbranche, dass viele bisherige Infektionen von Reisenden eher auf Familienbesuche im Ausland zurückgingen, eher weniger auf Pauschalurlauber. Das mag anfangs auch so gewesen sein, doch auch unter den klassischen Urlaubern gibt es immer wieder Ansteckungen. Das Problem ist, dass sich die Infektionszahlen in verschiedenen Regionen oft schnell verändern, so dass man das als Urlauber kurzfristig vor einer Reise im Blick behalten sollte. Denn in Risikogebieten ist natürlich mit einem höheren Infektionsrisiko zu rechnen. Es gibt aber im Ausland auch Regionen, die nur in geringem Ausmaß von Corona betroffen sind. Generell wichtig: im Urlaub nicht leichtsinnig werden. Wer sich auch dort richtig schützt, kann je nach Urlaubsort auch recht sicher Urlaub machen.

Was passiert, wenn ich im Risikogebiet positiv getestet werde?

Auch hier bieten Pauschalreisen in vielen Fällen besseren Schutz, weil dabei je nach Anbieter schon Corona-Versicherungen für Zusatzkosten vor Ort inklusive sind. Oft übernehmen aber auch Urlaubsländer die Bereitstellung und die Kosten für eine Quarantäne-Unterkunft. Besonders Individualreisende sollten sich hier vorher genau informieren, was an ihrem jeweiligen Urlaubsort gilt. Denn in einigen Fällen mussten sich Urlauber auch schon selbst um Quarantäne-Unterkünfte kümmern. Darauf sollte man dann vorbereitet sein.

Kann man wirklich alle Reiserückkehrer über einen Kamm scheren?

Auf Mallorca sind die Coronaquellen nachweislich große Familienzusammenkünfte Einheimischer, auf Split zum Beispiel die Partys am Strand. Das zeigt gerade, dass Ansteckungsrisiken je nach Urlaubsort in verschiedenen Bereichen bestehen können. Besonders auffällig sind jedoch immer wieder Partys, Menschenansammlungen in Verbindung mit Alkohol, eben auch im Urlaub. Hier trägt jeder Reisende die Verantwortung, auf mögliche Risiken zu achten und sich an die entsprechenden Regeln zu halten, auch wenn man im Urlaub entspannen möchte. Sorglos darf man das Ganze eben derzeit nicht angehen, egal in welchem Risikobereich.

Nach den Ferien soll die fünftägige Quarantänepflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten kommen. Muss ich dafür Urlaub nehmen?

Das werden sicher Spezialisten für Arbeitsrecht noch im Detail klären müssen, aber wenn ich als Urlauber jetzt zum Beispiel für Oktober eine Reise in ein Risikogebiet plane, muss ich ja wissen, dass ich nach derzeitigem Stand mindestens fünf Tage nach der Rückkehr noch in Quarantäne sein werde. Wenn ich das jetzt weiß, wäre es ja grob fahrlässig, wenn ich das beim Arbeitgeber nicht anmelde. Wenn ich also einplane, länger nicht zu arbeiten, müsste ich normalerweise für diese Zeit auch Urlaub einplanen, oder eben damit rechnen, später für diese Zeit kein Geld zu bekommen, wenn die Bundesregierung bis dahin das entsprechende Gesetz schon geändert hat.

Wird kontrolliert, ob ich mich an die Quarantänepflicht halte?

Tests, die wir unternommen haben, zeigten, dass die Informationen an die Gesundheitsämter über die Rückkehrer mit Quarantäneverpflichtung bisher zum Teil nur recht lückenhaft weitergeleitet wurden. Doch das soll sich nun ändern. Offiziell heißt es dazu von der Bundesregierung: “Die Länder werden dafür Sorge tragen, dass die Kontrolle der Quarantänepflichten vor Ort intensiv wahrgenommen wird und bei Pflichtverstößen empfindliche Bußgelder verhängt werden.” Man arbeitet hier gerade an einer digitalen Erfassung der Reiserückkehrer, die bisherige Überwachungslücken schließen soll.

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