Bestsellerautorin Hanni Münzer: ‘Es geht immer um Emotionen’

München – Über 2,7 Millionen verkaufte Exemplare und Übersetzungen in 17 Sprachen – das sind die Erfolgszahlen der Autorin Hanni Münzer, die eher zufällig ihre Bestimmung als Schriftstellerin fand.

Frau Münzer, wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?
HANNI MÜNZER: Ich habe mal eine kleine Fantasygeschichte für meinen Neffen geschrieben und vorgelesen. Meiner Schwester, die Literatur studiert hat, gefiel das so gut, dass sie mich ermutigte, es doch mit einem richtigen Roman zu versuchen. Ich habe damals als Assistentin des EU-Projektkoordinators zur Bekämpfung organisierter Kriminalität gearbeitet und war auch viel auf Reisen. Über einen etwas längeren Zeitraum entstand mein blasphemischer Thriller “Seelenfischer”, weil ich mich sehr für Religion interessiere und dafür, was sie mit den Menschen macht und wie jemand überhaupt dazu kommt, etwas zu glauben, was man nicht beweisen kann.

So kam Hanni Münzer zum Schreiben

Den haben Sie dann aber als Selfpublisher veröffentlicht.
Da lagen noch viele Jahre dazwischen. Ich habe durch meine spätere Arbeit bei Erich Sixt dessen Nichte, die Autorin Andrea Sixt, kennengelernt und mich mit ihr angefreundet. Sie hat meinen Roman gelesen und mich an ihre Agentin vermittelt. Aber die Verlage bissen noch nicht an.

Sie haben die Hoffnung aber nicht verloren?
Man muss in diesem Geschäft auch hartnäckig sein. Andrea Sixt hat mich später auf einen Artikel über Selfpublishing aufmerksam gemacht. Im Januar 2013 habe ich meinen Roman auf einer Plattform hochgeladen und dann haben sich die Dinge gewissermaßen verselbständigt.

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Sie wurden schnell erfolgreich und haben mal vorgerechnet, dass man so mehr Geld verdienen kann, als wenn man sich an einen Buchverlag bindet.
Das hat sich inzwischen ein bisschen verändert. Damals herrschte auf den Plattformen fast eine Art Goldgräberstimmung. Es war aber immer mein Traum, mein Buch in der Buchhandlung zu sehen, dort Lesungen zu halten. Meine Agentin hat mich dann an den Piper Verlag vermittelt und dort habe ich bis heute meine Heimat gefunden.

Hanni Münzer übers Bücher schreiben 

An wen denken Sie, wenn Sie schreiben?
Ich denke nicht an den Erfolg, wenn ich schreibe. Beim Schreiben transportiert man ja in erster Linie Gefühle. Und es geht natürlich immer um Liebe, egal, ob sie nun in einem historischen Roman oder in einem Krimi verpackt ist. Es geht immer um Emotionen, die bestimmen schließlich unser Leben. Wenn ich anfange einen Roman zu schreiben, nehme ich mir sehr viel Zeit, um die Protagonisten zu entwickeln. Ich muss sie mögen, ich lebe ja auch eine ganze Weile mit ihnen. Die stehen – bildlich gesprochen – gerahmt auf meinem Schreibtisch und sehen mir bei der Arbeit zu.

Haben Sie einen genauen Plan, wie die Geschichten verlaufen?
Ja, aber der hält nicht lange. Einen Tag ist alles geordnet, aber dann bricht das Chaos aus. Ich schreibe oft den Anfang und auch schon das Ende eines Romans, aber dazwischen ist viel Raum für Improvisation. Ein Roman ist während des Entstehungsprozesses ein lebendiges Wesen, es verändert sich ständig, da ist viel Bewegung drin. Die Protagonisten entwickeln auch ein munteres Eigenleben und überraschen mich häufig selbst.

Braucht man eine feste Struktur für die Arbeit?
Ich setzte mich morgens an den PC und schreibe bis mittags, bis mein Mann eine warme Mahlzeit braucht. Diese feste Struktur ist wichtig. Der Kopf arbeitet aber immer weiter, deswegen habe ich stets Papier und Schreibzeug dabei, damit möglichst keine spontane Idee verloren geht. Ich bin auch schon aus der Dusche herausgesprungen und habe mir einen Satz notiert.

Noch nie einen Abgabetermin eingehalten

Wie wichtig ist ein verpflichtender Abgabetermin?
Ich habe zumindest noch nie einen eingehalten… aber irgendwann muss ich mich natürlich von meinem Baby trennen.

Ihre zuletzt veröffentlichte Heimatsaga spielt während des Zweiten Weltkriegs, dann verschlägt es die Protagonistin nach Russland. Wie wichtig ist dabei die Recherche?
Ich habe viel einschlägige Literatur über den Krieg gelesen, Churchills Biografie, Ian Kershaws Bücher, zeitgeschichtliche Biografien. Schreiben ist Arbeit und das Recherchieren gehört zwingend dazu.

Ein Roman über Wolfratshausen Anfang dieses Jahrtausends wäre demzufolge einfacher für Sie.
Sicher, aber das Dritte Reich ist ein bisschen mein Thema. Mich beschäftigt, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte, wie Menschen zwei Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg wieder in den Krieg ziehen konnten. Wie entsteht das Böse? Der Mensch ist das ja nicht von Geburt an, sondern wird durch äußere Einflüsse geformt. Die Heimatsaga ist auch inspiriert von meiner eigenen Familiengeschichte, meine Vorfahren kommen aus Schlesien und Osteuropa.

Sie schreiben ganze Romanserien, warum?
Nicht nur das, in meinen Büchern tauchen auch die Protagonisten der anderen Romane wieder auf. Das ist so meine Familie. Und ich kann ganz schlecht loslassen. So bleiben sie miteinander verknüpft, das war aber eher eine unterbewusste Entscheidung.

Hanni Münzer: “Manuskript jemandem vom anderen Geschlecht geben”

Gibt es Autoren, die Sie beeinflusst haben?
Nicht unbedingt, aber ich lese schon immer leidenschaftlich und habe eine ganze Menge Lieblingsbücher. Nina Georges “Lavendelzimmer” ist ein wunderbares Buch, aber ich bin auch ein Freund der Klassiker. Ich denke, ich habe Jane Austens “Stolz und Vorurteil” bestimmt zehn Mal gelesen, weil es einfach alles transportiert, was so ein Buch haben muss. Ich mag aber auch Fantasy und bin der Meinung, man sollte den “Herrn der Ringe” gelesen haben. Es heißt ja heute immer, man solle Landschaften oder den Himmel nicht allzu akribisch beschreiben. Aber wenn dies wirklich jemand genial kann, dann ist es J. R. R. Tolkien.

Über welche Eigenschaften muss ein Autor verfügen?
Man muss fleißig und diszipliniert sein, dabei mitfühlend und erbarmungslos gegen sich selbst. Man muss auch streichen können, sich von Protagonisten und Handlungssträngen verabschieden, wenn es das Buch nicht weiterbringt – ganz egal, wieviel Arbeit man hineingesteckt hat.

Wem sollte man ein fertiges Manuskript zuerst zeigen?
Man sollte das Manuskript immer jemandem vom anderen Geschlecht geben, meine Erfahrung zeigt, die sind im Urteil gnadenloser. Aber vielleicht sollte man besser nicht amourös verbandelt sein – außer man will Schluss machen.

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